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FI-Schutzschalter (RCD) verstehen

Funktionsweise, Typen und Einsatzbereiche von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen nach VDE.

📖 10 Min. Lesezeit📅 Aktualisiert: 2026-02-04

Formelübersicht

AuslösestromI_Δn = 30 mA (Personenschutz)

Standard-Bemessungsfehlerstrom für Personenschutz

I_Δn=Bemessungsfehlerstrom

Einführung

Der FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzeinrichtung, international: RCD – Residual Current Device) ist eines der wichtigsten Schutzgeräte in der Elektroinstallation. Er erkennt Fehlerströme, die bei einem Isolationsfehler über den menschlichen Körper oder andere ungewollte Wege zur Erde fließen, und schaltet binnen Millisekunden ab.

Seit 2009 ist der FI-Schutz nach DIN VDE 0100-410 in vielen Bereichen vorgeschrieben und rettet jährlich viele Menschenleben.

Funktionsprinzip

Der FI-Schutzschalter überwacht die Summe der Ströme in Hin- und Rückleiter:

L1 ──┬─────[Last]─────┬── zurück
     │                │
    ┌┴────────────────┴┐
    │  Summenstromwandler  │
    └───────┬──────────┘
            ↓
     Bei Differenz → Auslösung

Normalzustand: I_Hin = I_Zurück → Summe = 0 Fehlerzustand: I_Hin ≠ I_Zurück → Differenzstrom = Fehlerstrom → Abschaltung

Typen von RCDs

Nach Bemessungsfehlerstrom (I_Δn)

TypI_ΔnAnwendung
10 mASehr empfindlichMed. Bereiche, Kinder
30 mAStandardPersonenschutz
100 mAMittelempfindlichBrandschutz groß
300 mABrandschutzIndustrie, Hauptverteilung
500 mABrandschutzIndustrie

Nach Stromform (Typ A, B, F)

Typ A – Erfasst:

  • Sinusförmige Wechselfehlerströme
  • Pulsierende Gleichfehlerströme
  • Standard für die meisten Anwendungen

Typ B – Erfasst zusätzlich:

  • Glatte Gleichfehlerströme
  • Erforderlich bei Frequenzumrichtern, Wallboxen, PV-Anlagen

Typ F – Erfasst:

  • Wie Typ A, plus Frequenzen bis 1 kHz
  • Für elektronische Verbraucher (Waschmaschinen mit FU)

Nach Bauform

  • RCCB (RCD ohne Überstromschutz) – Klassischer FI-Schalter
  • RCBO (RCD + Überstromschutz) – FI/LS-Kombination
  • RCM (Residual Current Monitor) – Überwachungsgerät ohne Abschaltung

Vorgeschriebene Einsatzbereiche nach VDE

BereichI_ΔnBegründung
Steckdosen ≤32 A30 mALaien-Nutzung
Badezimmer30 mAErhöhte Gefährdung durch Feuchtigkeit
Außenbereich30 mAWitterungseinflüsse
Baustellen30 mARaue Bedingungen
Landwirtschaft30 mANutztiere empfindlicher
Wallbox/E-Mobilität30 mA Typ BGleichfehlerströme möglich

Schritt-für-Schritt

  1. 1Einsatzbereich bestimmen (Steckdose, Außen, Bad, Wallbox, etc.)
  2. 2Bemessungsfehlerstrom wählen (meist 30 mA für Personenschutz)
  3. 3Typ auswählen: A für Standard, B für Gleichfehlerströme (FU, Wallbox)
  4. 4Polzahl bestimmen: 2-polig (Wechselstrom), 4-polig (Drehstrom)
  5. 5Bemessungsstrom des RCD ≥ vorgeschaltete Absicherung
  6. 6Nach Installation: Prüftaste testen, Auslösezeit messen

Praktische Beispiele

1

RCD für Außensteckdosen

Aufgabe

Welcher RCD ist für eine Garten-Steckdose geeignet?

Lösung

  1. 1Bereich: Außenbereich → 30 mA RCD nach VDE vorgeschrieben
  2. 2Stromkreis: Einphasig 16 A → 2-poliger RCD
  3. 3Normale Verbraucher (Rasenmäher, Lampen) → Typ A ausreichend
  4. 4Wenn FU-gesteuerte Geräte: Typ F oder Typ A-EV
  5. 5Auswahl: RCCB 2P, 40 A, 30 mA, Typ A

Ein 2-poliger 30 mA Typ A RCD mit mind. 40 A Bemessungsstrom.

2

Wallbox absichern

Aufgabe

Eine 11 kW Wallbox soll installiert werden. Welcher RCD-Typ ist erforderlich?

Lösung

  1. 1Wallboxen können Gleichfehlerströme erzeugen (6 mA DC-Schutz reicht nicht)
  2. 2Nach VDE 0100-722: RCD Typ B oder Typ A + DC-Schutzmodul
  3. 3Drehstromanschluss → 4-poliger RCD
  4. 4Strom: 11 kW bei 400 V → ca. 16 A
  5. 5Auswahl: RCCB 4P, 40 A, 30 mA, Typ B
  6. 6Alternative: Typ A + integrierter DC-Schutz in der Wallbox

RCD Typ B (4-polig, 30 mA, ≥40 A) oder Typ A mit DC-Schutzmodul.

Normative Grundlagen

DIN VDE 0100-410: Allgemeine Anforderungen an RCD-Schutz für Steckdosen ≤32 A und besondere Bereiche

DIN VDE 0100-530: Anforderungen an Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen

DIN VDE 0100-701: Bad und Dusche – 30 mA RCD für alle Stromkreise im Bad

DIN VDE 0100-702: Schwimmbäder – zusätzliche Anforderungen

DIN VDE 0100-722: E-Mobilität/Wallboxen – Typ B oder Typ A mit DC-Schutz

⚠️Häufige Fehler vermeiden

  • Falsche Stromrichtung beim Einbau – Markierung "Netz" und "Last" beachten
  • Typ A bei Wallbox → Gleichfehlerströme werden nicht erkannt
  • Neutralleiter nicht über RCD führen → kein korrekter Summenstrom
  • Prüftaste wird nie betätigt → Klebekontakte, Auslösung versagt
  • Zu viele Stromkreise auf einem RCD → häufige Fehlauslösungen

📋Zusammenfassung

Der FI-Schutzschalter (RCD) ist lebensrettend:

Kernfunktion: Erkennt Fehlerströme und schaltet ab, bevor gefährliche Körperströme entstehen.

Wichtigste Typen:

  • 30 mA – Personenschutz (Standard)
  • 300 mA – Brandschutz
  • Typ A – Wechsel- und pulsierende Gleichfehlerströme
  • Typ B – Zusätzlich glatte Gleichfehlerströme (Wallbox, FU)

Vorschrift: Nach VDE für außen, Bad, Steckdosen ≤32 A, Wallboxen.

Prüfung: Monatlich Prüftaste, jährlich Messung durch EFK.

Häufig gestellte Fragen

Häufige Ursachen: 1) Defekte Geräte mit Isolationsproblem, 2) Feuchtigkeit in Steckdosen oder Kabeln, 3) Ableitströme durch viele elektronische Geräte (Summation), 4) Defekter RCD selbst. Systematisch Geräte abstecken und prüfen, welches den Fehler verursacht.

Ja, unbedingt! Der FI-Schalter ist eine zusätzliche Schutzmaßnahme. Der Schutzleiter (PE) ist weiterhin erforderlich für den Potentialausgleich und um einen definierten Fehlerstromkreis zu ermöglichen. Ohne PE würde bei einem Isolationsfehler keine sichere Abschaltung erfolgen.

Nein! Arbeiten im Verteiler sind Elektrofachkräften vorbehalten. Ein falsch angeschlossener RCD schützt nicht oder löst dauernd aus. Zudem ist die Erstprüfung nach VDE vorgeschrieben. Wenden Sie sich an einen konzessionierten Elektrobetrieb.

Ein selektiver RCD (Kennzeichnung "S") hat eine Auslöseverzögerung. Er wird als Haupt-RCD eingesetzt und löst später aus als nachgeschaltete RCDs. So schaltet bei einem Fehler nur der betroffene Stromkreis ab, nicht die gesamte Anlage.

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