Kabel-Parallelschaltung

Berechnen Sie die Stromaufteilung und Gesamtbelastbarkeit bei parallel geschalteten Kabeln nach VDE 0298-4.

Parallelschaltung von Kabeln nach VDE 0298-4

Bei hohen Strömen werden mehrere Kabel gleichen Typs parallel geschaltet. Dabei müssen einige Bedingungen beachtet werden.

Voraussetzungen für Parallelschaltung

AnforderungGrund
Gleicher QuerschnittGleichmäßige Stromverteilung
Gleiche LängeGleicher Widerstand
Gleiche VerlegeartGleiche Belastbarkeit
Gleicher KabeltypGleiche Eigenschaften

Häufungsfaktoren bei Parallelschaltung

Bei gebündelter Verlegung reduziert sich die Belastbarkeit durch gegenseitige Erwärmung:

Anzahl KabelHäufungsfaktorEffektive Kapazität
11.00100%
2 berührt0.80160%
3 berührt0.70210%
4 berührt0.65260%
2 getrennt (>d)0.90180%
3 getrennt (>d)0.85255%
4 getrennt (>d)0.80320%

Beispiel: Trafo-Zuleitung 630 kVA

TrafoStrom (400V)Lösung
630 kVA909 A2× 240 mm² (2×443A) oder 4× 120 mm² (4×262A)
1000 kVA1443 A3× 240 mm² oder 4× 185 mm²
1600 kVA2309 A4× 300 mm² oder 5× 240 mm²

Schleifenimpedanz bei Parallelkabeln

Die Schleifenimpedanz sinkt proportional zur Anzahl:

Z_parallel = Z_einzeln / n

Der Kurzschlussstrom steigt entsprechend – Schutzgeräte korrekt dimensionieren!

Anwendungsbereiche

  • Trafo-Zuleitungen ab 400 kVA
  • Maschinenzuleitungen industrieller Verbraucher
  • Unterverteiler-Einspeisungen
  • PV-Wechselrichterzuleitungen
  • BHKW-Anschlüsse
  • Elektromobilitäts-Ladeparks

Häufig gestellte Fragen

Ab ca. 240-300 mm² werden Kabel unpraktisch: sie sind schwer zu biegen, erfordern große Kabelschuhe und spezielle Klemmen. Parallel geschaltete dünnere Kabel sind oft flexibler, einfacher zu verlegen und haben bessere Redundanz (bei Schaden eines Kabels fließt noch Teillast).

Nebeneinander liegende Kabel erwärmen sich gegenseitig. Ein einzelnes 120 mm²-Kabel kann z.B. 262 A tragen, aber 3 gebündelte Kabel nur 3 × 262 A × 0.70 = 550 A statt 786 A. Getrennte Verlegung mit Abstand ≥ Kabeldurchmesser reduziert diesen Effekt.

Bei unterschiedlichen Widerständen (durch ungleiche Länge oder Querschnitt) fließt mehr Strom durch das niederohmige Kabel. Dieses überhitzt dann, während die anderen unterausgelastet sind. Lösung: Exakt gleiche Kabel verwenden und symmetrisch verlegen.

Jedes Parallelkabel muss alle 3 Phasen bei Drehstrom enthalten (L1, L2, L3, N, PE). Niemals L1 auf Kabel 1, L2 auf Kabel 2 führen – das verursacht Induktionseffekte und ungleiche Ströme. Bei Einzeladern: symmetrische Bündelung (z.B. Dreiecksformation).

Alle PE-Leiter werden an einem gemeinsamen Punkt (Klemme, Schiene) zusammengeschlossen. Jeder PE-Leiter muss einzeln festgeklemmt sein – keine Reihenklemmen! Bei Fehler in einem Kabel muss der Schutzleiterstrom über die anderen PE-Leiter fließen können.