Kernrechner

Trafo-Leistungsrechner

Berechnen Sie die erforderliche Transformator-Leistung und wählen Sie die richtige Normgröße nach IEC 60076. Mit Gleichzeitigkeitsfaktor, Reserve und Kühlungsart.

Transformator-Leistung berechnen nach IEC 60076

Die richtige Trafodimensionierung ist entscheidend für Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit. Ein zu kleiner Trafo führt zu Überlastung, ein zu großer zu unnötigen Kosten und hohen Leerlaufverlusten.

Berechnungsformel

Die erforderliche Scheinleistung wird berechnet aus:

S_erf = (P_inst × g) / cos φ × (1 + Reserve)

Wobei:

  • P_inst = Installierte Wirkleistung aller Verbraucher
  • g = Gleichzeitigkeitsfaktor (typisch 0.5-0.8)
  • cos φ = Mittlerer Leistungsfaktor der Anlage
  • Reserve = Zukunftsreserve (typisch 10-30%)

IEC-Normgrößen für Transformatoren

Leistung (kVA)Sekundärstrom (400V)Typische uk%Einsatzbereich
5072 A4%Kleine Gewerbebetriebe
100144 A4%Einzelne Gebäude
160231 A4%Kleinere Produktionen
250361 A4%Mittelgroßer Betrieb
315455 A4%Industrie Standard
400577 A4%Mittelgroße Industrie
500722 A4%Produktionsanlagen
630909 A4-6%Große Industrie
8001155 A6%Schwerlast
10001443 A6%Große Werke
12501804 A6%Chemie/Stahl
16002309 A6%Großindustrie
20002887 A6%Kraftwerke
25003608 A6%Umspannwerke

Gleichzeitigkeitsfaktoren nach Anwendung

AnwendungGleichzeitigkeitsfaktor g
Bürogebäude0.5 - 0.6
Gewerbebetrieb0.6 - 0.7
Industriebetrieb0.6 - 0.8
Krankenhaus0.7 - 0.8
Rechenzentrum0.8 - 1.0
Einzelmaschine1.0

Kühlungsarten nach IEC 60076-2

KürzelBedeutungÜbertemperaturAnwendung
ONANÖl natürlich, Luft natürlich65 KStandard Öltrafos
ONAFÖl natürlich, Luft forciert65 KÖltrafos mit Lüfter
OFAFÖl forciert, Luft forciert65 KGroße Kraftwerkstrafos
ANLuft natürlich100 KStandard Trockentrafos
AFLuft forciert100 KTrockentrafos mit Lüfter

Optimale Auslastung

Die wirtschaftlich optimale Auslastung liegt zwischen 60-80%:

  • < 50%: Hohe relative Leerlaufverluste
  • 60-80%: Optimaler Bereich
  • 80%: Keine Reserve, erhöhte Alterung bei Lastspitzen

Anwendungsbereiche

  • Planung neuer Trafostationen
  • Erweiterung bestehender Anlagen
  • Wirtschaftlichkeitsbetrachtung Trafoaustausch
  • Netzberechnungen und Kurzschlussstudien
  • Energieeffizienz-Optimierung (Verlustbewertung)
  • Redundanzplanung mit zwei Trafos

Häufig gestellte Fragen

Trockentrafos (Gießharzisoliert) sind vorzuziehen bei: (1) Aufstellung in Gebäuden ohne Ölauffangwanne, (2) Brandschutzanforderungen (F1-Klassifizierung), (3) kritischer Infrastruktur (Krankenhäuser, Rechenzentren), (4) häufigen Lastwechseln. Nachteile: Höhere Anschaffungskosten (~20-40%), größere Abmessungen, höherer Geräuschpegel. Öltrafos bleiben Standard für Außenanlagen und Ortsnetzstationen.

Wärmepumpen haben hohe Anlaufströme (bis 8× In). Faustregeln: (1) Elektrische Leistung der WP × 1.5 als Grundlast, (2) Gleichzeitigkeitsfaktor 0.9 (WP läuft viele Stunden), (3) Reserve 20%. Beispiel: 100 kW Wärmepumpe → S = 100 × 0.9 / 0.9 × 1.2 = 120 kVA → Normgröße 160 kVA.

Die Kurzschlussspannung uk (auch Kurzschlussimpedanz) gibt an, welcher Anteil der Nennspannung nötig ist, um den Nennstrom bei kurzgeschlossener Sekundärseite fließen zu lassen. Typisch 4% für Trafos ≤630 kVA und 6% für größere. Höhere uk bedeutet: geringerer Kurzschlussstrom, bessere Parallelfähigkeit, aber höhere Spannungsschwankungen unter Last.

Zwei Trafos (Redundanzkonzept) sind sinnvoll bei: (1) Kritischen Prozessen ohne Unterbrechungstoleranz, (2) Leistungsbedarf 600-1000 kVA (2×500 kVA flexibler als 1×1000 kVA), (3) Wartungsfreundlichkeit (ein Trafo kann gewartet werden, während der andere läuft). Kostenvergleich: Zwei 500-kVA-Trafos kosten etwa 150% eines 1000-kVA-Trafos.

Trafoverluste setzen sich zusammen aus: Leerlaufverlusten P0 (konstant, lastunabhängig, ~0.2% von Sn) und Lastverlusten Pk (quadratisch mit Auslastung, ~1% bei Volllast). Bei 50% Auslastung sind die Lastverluste nur 25% des Volllastwerts. Die Gesamtverluste sind bei etwa 50-60% Auslastung minimal, bezogen auf die übertragene Energie.