Trafo-Parallelschaltung

Prüfen Sie die Parallelschaltbedingungen von Transformatoren nach IEC 60076. Mit Schaltgruppen-Kompatibilität, uk-Differenz und Lastverteilungs-Berechnung.

Trafo-Parallelschaltung nach IEC 60076

Die Parallelschaltung von Transformatoren ermöglicht Leistungserhöhung und Redundanz. Damit keine unzulässigen Ausgleichsströme fließen, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein.

Parallelschaltbedingungen

BedingungAnforderungFolge bei Verletzung
SchaltgruppeGleich oder kompatibelKurzschluss durch Phasenversatz
Leistungsverhältnis≤ 2:1Ungleiche Lastverteilung
uk-Differenz≤ 10%Überlastung eines Trafos
SpannungenÜbersetzungen gleichAusgleichsstrom im Leerlauf

Schaltgruppen-Kompatibilität

SchaltgruppePhasenwinkelKompatibel mit
Dyn5-150°Dyn5
Dyn11+30°Dyn11, Yd11, YNd11
Yyn0Yyn0, Dd0
Yd5-150°Dyn5 (gleiches Zeigerbild)
Dd0Yyn0, Dd0

Wichtig: Schaltgruppen mit unterschiedlichem Phasenwinkel dürfen niemals parallel geschaltet werden – es würde ein Kurzschluss entstehen!

Lastverteilung bei Parallelschaltung

Die Lastverteilung erfolgt umgekehrt proportional zur relativen Kurzschlussimpedanz:

LastAnteil_n = (Sn / uk_n) / Σ(Si / uk_i)

Beispiel:

  • Trafo 1: 400 kVA, uk = 4%
  • Trafo 2: 630 kVA, uk = 6%

Last 1: (400/4) / (400/4 + 630/6) = 100 / 205 = 48.8% Last 2: (630/6) / 205 = 105 / 205 = 51.2%

→ Trotz größerer Leistung übernimmt Trafo 2 nur minimal mehr Last.

Nutzbare Gesamtleistung

Durch ungleiche Lastverteilung kann die theoretische Summenleistung nicht voll ausgenutzt werden:

Trafo-KombinationTheoretischNutzbarVerlust
400 + 400 kVA (uk gleich)800 kVA800 kVA0%
400 + 630 kVA (uk 4%/6%)1030 kVA~880 kVA15%
400 + 800 kVA (uk 4%/6%)1200 kVA~970 kVA19%

Anwendungsbereiche

  • Kapazitätserweiterung bestehender Stationen
  • Redundanzplanung für kritische Versorgung
  • Wirtschaftlichkeitsbetrachtung bei Erweiterung
  • Prüfung bestehender Parallelanlagen
  • Ersatztrafo-Auswahl bei Ausfall
  • Netzberechnungen mit Parallelspeisung

Häufig gestellte Fragen

Nein! Dyn5 hat einen Phasenwinkel von -150° und Dyn11 einen von +30°. Die Differenz von 180° würde bei Parallelschaltung einen Kurzschluss verursachen. Nur Trafos mit gleichem Phasenwinkel (gleiche Kennziffer der Schaltgruppe) sind parallelschaltbar.

Bei unterschiedlichen uk-Werten verteilt sich die Last ungleich: Der Trafo mit niedrigerem uk übernimmt proportional mehr Last. Er erreicht seine Bemessungsleistung früher und begrenzt damit die gesamte nutzbare Leistung. Nur bei identischen Trafos (gleiche uk) ist die volle Summenleistung verfügbar.

Technisch ist es möglich, aber unwirtschaftlich. Bei 15% uk-Differenz verliert man ca. 20-25% der theoretischen Gesamtleistung. Zudem muss die Schutzkoordination angepasst werden. Besser: Trafo mit angepasstem uk wählen oder eigenen Abzweig vorsehen.

Bei unterschiedlichen Sekundärspannungen (z.B. 400V vs. 410V) fließt ein Ausgleichsstrom im Leerlauf, der die Trafos erwärmt und Verluste verursacht. Die relative Spannungsdifferenz sollte unter 0.5% liegen. Bei Stufenschaltern: gleiche Stufe einstellen.

Bei Parallelschaltung muss der Überstromschutz auf die erhöhten Kurzschlussströme (Summe beider Trafos) eingestellt werden. Die Schutzrelais sind oft als Master/Slave konfiguriert, damit bei einem Fehler beide Trafos gleichzeitig abgeschaltet werden (Kupplung). Alternativ: selektiver Schutz mit Entkupplungsautomatik.