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Schutzrelais und Schutzfunktionen

Überstrom-, Differenzial- und Distanzschutz – Schutzkonzepte für Mittel- und Niederspannungsanlagen.

16 Min. LesezeitAktualisiert: 06.02.2026

Formelübersicht

Auslösestrom ÜberstromschutzI_Auslöse = I_N × k

Einstellwert mit Sicherheitsfaktor k

I_N=Nennstrom in Ak=Einstellfaktor (1,1-1,5)

Einführung

Schutzrelais sind die Wächter elektrischer Anlagen. Sie überwachen Ströme, Spannungen und weitere Parameter und lösen im Fehlerfall blitzschnell die Abschaltung aus. Von einfachen thermischen Überlastrelais bis zu komplexen digitalen Schutzgeräten – die richtige Auswahl ist entscheidend für die Anlagensicherheit.

Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Schutzfunktionen und deren Einsatzbereiche.

Schutzarten im Überblick

Überstrom- schutz 50/51 I >, I >> Differenzial- schutz 87 ΔI Distanz- schutz 21 Z(I, U) Erdschluss- schutz 50N/51N I_E >

ANSI/IEEE Kennziffern

KennzifferSchutzartFunktion
50Momentan-ÜberstromKurzschluss sofort
51Verzögert-ÜberstromÜberlast zeitabhängig
50N/51NErdschlussErdfehlerstrom
87DifferenzialStromvergleich
21DistanzImpedanzmessung
27UnterspannungU <
59ÜberspannungU >
81Frequenzf < / f >

Überstromschutz (50/51)

I / I_N t 51 (verzögert) 50 (momentan) 1 5 10

Einstellungen

ParameterTypischer WertAnwendung
I >1,1-1,3 × I_NÜberlastschutz
t >0,5-10 sVerzögerung
I >>5-10 × I_NKurzschlussschutz
t >>0-0,3 sSchnellabschaltung

Kennlinientypen (IEC 60255)

TypBezeichnungAnwendung
SIStandard InverseNormal
VIVery InverseKabel
EIExtremely InverseTrafoschutz
LTILong Time InverseMotoren

Differenzialschutz (87)

Funktionsprinzip

Vergleich der Ströme am Ein- und Ausgang:

ZustandBedingungWirkung
NormalI_ein ≈ I_ausKeine Auslösung
Interner FehlerI_ein ≠ I_ausSofortige Auslösung
Externer FehlerI_ein = I_ausKeine Auslösung

Anwendungen

SchutzobjektBezeichnung
Trafo87T
Generator87G
Sammelschiene87B
Motor87M
Leitung87L

Distanzschutz (21)

Misst Impedanz Z = U / I zur Fehlerentfernungs-Bestimmung:

ZoneReichweiteAuslösezeit
Zone 180-85% der LeitungSofort (t1 ≈ 0)
Zone 2100% + 20-30% folgendt2 ≈ 0,3-0,5 s
Zone 3Reservet3 ≈ 1-2 s

Schutzkoordination

Staffelplan (Beispiel)

PositionSchutzgerätI >>t >>
Trafo Primär513 × I_N0,8 s
Sammelschiene50/515 × I_N0,4 s
Abgang50/518 × I_N0,1 s

Staffelzeit: Δt ≥ 0,3 s zwischen den Stufen

Schritt-für-Schritt

  1. 1Schutzobjekt identifizieren (Trafo, Motor, Leitung)
  2. 2Passende Schutzart auswählen
  3. 3Nennwerte und Kurzschlussströme ermitteln
  4. 4Auslöseströme und Zeiten berechnen
  5. 5Selektivität mit vor-/nachgelagertem Schutz prüfen
  6. 6Schutzrelais auswählen
  7. 7Parametrierung durchführen
  8. 8Schutzprüfung (Auslösetest)

Praktische Beispiele

1

Überstromschutz Trafo 630 kVA

Aufgabe

Ein 630 kVA Trafo (20kV/0,4kV) soll geschützt werden.

Lösung

  1. 1Nennstrom Primär: I_N = 630 / (√3 × 20) = 18,2 A
  2. 2Überlastschutz: I > = 1,25 × 18,2 = 22,8 A
  3. 3Kurzschlussschutz: I >> = 8 × 18,2 = 146 A
  4. 4Auslösezeit I >: t = 5 s (thermischer Schutz)
  5. 5Auslösezeit I >>: t = 0,1 s (Kurzschluss)

Überstromschutz: I > = 23 A / 5 s, I >> = 146 A / 0,1 s

Normative Grundlagen

IEC 60255: Messrelais und Schutzeinrichtungen

DIN VDE 0670: Wechselstromschaltgeräte

IEEE C37: Protection Standard (ANSI-Kennziffern)

Wichtige Festlegungen:

  • Schutzfunktionen
  • Prüfanforderungen
  • Kennziffer-System

Häufige Fehler vermeiden

  • ✗Selektivität nicht geprüft
  • ✗Überstromwert zu niedrig eingestellt
  • ✗Staffelzeit zu kurz
  • ✗Wandlerübersetzung falsch
  • ✗Erdschlussschutz vergessen
  • ✗Keine Schutzprüfung nach Inbetriebnahme

Zusammenfassung

Schutzrelais – Zusammenfassung:

ANSI-Kennziffern:

CodeSchutz
50/51Überstrom
87Differenzial
21Distanz
50N/51NErdschluss

Überstromschutz:

  • I > = 1,1-1,3 × I_N (Überlast)
  • I >> = 5-10 × I_N (Kurzschluss)

Selektivität: Δt ≥ 0,3 s zwischen Stufen

Häufig gestellte Fragen

Differenzialschutz ist Pflicht für Transformatoren > 5 MVA und empfohlen für wichtige Anlagen (Generatoren, Großmotoren, Sammelschienen). Er bietet den schnellsten und selektivsten Schutz, da er nur auf Fehler im geschützten Bereich reagiert und externe Fehler ignoriert.

Bei Selektivität löst nur das Schutzgerät aus, das dem Fehler am nächsten ist. Die vorgelagerten Schutzeinrichtungen bleiben inaktiv. Dies wird durch Zeitstaffelung (Δt ≥ 0,3 s) oder Stromstaffelung (höherer Auslösewert bei vorgelagertem Schutz) erreicht.

Bei der inversen Kennlinie ist die Auslösezeit umgekehrt proportional zum Kurzschlussstrom: Je höher der Strom, desto schneller die Auslösung. Dies ermöglicht eine bessere Selektivität und schützt vor thermischer Überlast. Formel: t = k / ((I/I_s)^n - 1).

SchutzrelaisÜberstromschutzDifferenzialschutzDistanzschutzSelektivitätANSI

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