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Praxis-LeitfädenFortgeschritten

Elektrische Installation von Wärmepumpen

Anschluss, Absicherung und Steuerung von Wärmepumpen nach TAB und VDE.

13 Min. LesezeitAktualisiert: 04.02.2026

Formelübersicht

Strom WärmepumpeI = P / (√3 × U × cos φ)

Nennstrom einer Drehstrom-Wärmepumpe

P=Elektrische Leistung (W)cos φ=Leistungsfaktor (ca. 0,8-0,9)

Einführung

Wärmepumpen sind heute das wichtigste System für klimafreundliches Heizen. Für die Elektrofachkraft bedeutet dies: neue Anforderungen an die Hausinstallation. Von der Zuleitung über die Sperrzeiten bis zur Kommunikation mit dem Smart Meter Gateway gibt es einiges zu beachten.

Dieser Ratgeber behandelt die elektrotechnischen Aspekte der Wärmepumpen-Installation.

Typische Leistungsdaten

WärmeleistungElektr. Leistung (COP 4)Strom (400 V)
6 kW1,5 kWca. 2,5 A
9 kW2,3 kWca. 4 A
12 kW3,0 kWca. 5 A
16 kW4,0 kWca. 7 A
20 kW5,0 kWca. 8 A

Hinweis: Bei Direct-on-Line-Kompressor kurzzeitig höhere Anlaufströme!

Anschlussarten

Gemeinsamer Hausanschluss (Standard)

HAK SLS Zähler UV Haus WP
  • Wärmepumpe Teil der Hausinstallation
  • Gemeinsamer Zähler
  • Abschaltung durch EVU über Rundsteuerempfänger

Separater Zähler (mit Wärmepumpentarif)

ZÄHLERSCHRANK HAK SLS Zähler 1 Hausvert. Zähler 2 WP-Tarif
  • Separater Tarif für Wärmepumpe (oft günstiger)
  • Sperrzeiten durch EVU (max. 3×2h pro Tag)
  • Rundsteuerempfänger (ESRS) im Zählerschrank

Absicherung

Typische Werte

WP-LeistungLSLeitungRCD
bis 4 kWC165×2,5 mm²Typ A oder B
bis 7 kWC205×4 mm²Typ A oder B
bis 11 kWC325×6 mm²Typ B empfohlen
bis 15 kWC405×10 mm²Typ B empfohlen

RCD-Auswahl

Wärmepumpen haben Frequenzumrichter-geregelte Kompressoren. Diese können Gleichfehlerströme erzeugen:

KompressorRCD-Typ
On/Off (selten)Typ A reicht
Inverter (Standard)Typ B oder F
Mit internem RCDSiehe Hersteller

Wichtig: Viele WP-Hersteller schreiben Typ B vor oder haben integrierten RCM.

Sperrzeiten und Rundsteuerung

EVU-Sperrzeiten

Netzbetreiber dürfen Wärmepumpen für bestimmte Zeiträume sperren:

RegelungMaximal
Einzelne Sperrzeit2 Stunden
Summe pro Tag3 × 2 h = 6 Stunden
Freigabe zwischen Sperrenmin. 1 Stunde

Steuerung über Rundsteuerempfänger

ZÄHLERSCHRANK Zähler (WP-Tarif) RS-Empf. ← Signal EVU LS C32 Schütz ← Freigabe → WÄRMEPUMPE

Smart Meter Gateway (§14a EnWG)

Ab 2024 können Wärmepumpen über Smart Meter Gateway gesteuert werden:

  • Reduzierte Netzentgelte als Anreiz
  • Minimale Leistung 4,2 kW muss immer verfügbar bleiben
  • Kommunikation über Steuerbox an WP

Anschluss Steuerbox

Smart Meter ─── Steuerbox ─── WP (Modbus/SG-Ready)
   Gateway        │
                  └─── Speicher (optional)
Klicken zum Kopieren

SG-Ready-Schnittstelle

Standard-Schnittstelle für Wärmepumpen zur Kommunikation mit Energiemanager/Smart Meter:

Eingang 1Eingang 2Betriebszustand
00Normalbetrieb
10Sperrzeit (EVU-Sperre)
01Empfohlener Betrieb (PV-Überschuss)
11Verstärkter Betrieb (viel PV)

Elektrisch: Potentialfreie Kontakte, 230 V oder 24 V je nach Hersteller.

Schritt-für-Schritt

  1. 1Wärmepumpen-Leistung und elektrischen Anschluss klären
  2. 2Mit Netzbetreiber abstimmen (separater Zähler, Tarif)
  3. 3Zuleitung dimensionieren (Strom, Länge, Spannungsfall)
  4. 4RCD-Typ festlegen (meist Typ B bei Inverter-WP)
  5. 5Rundsteuerempfänger einplanen (bei WP-Tarif)
  6. 6SG-Ready-Anschluss vorbereiten
  7. 7Zählerschrankplatz prüfen (mind. 3-4 Reihen zusätzlich)
  8. 8Installation und Inbetriebnahme abstimmen

Praktische Beispiele

1

Luft-Wasser-WP 12 kW

Aufgabe

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 12 kW Wärmeleistung soll installiert werden. Separater Zähler gewünscht.

Lösung

  1. 1Elektrische Leistung: ca. 3 kW (COP 4), max. 5 kW
  2. 2Strom: ca. 8 A (Anlauf bis 20 A)
  3. 3Absicherung: LS C20 oder C25
  4. 4Leitung: NYM-J 5×4 mm² (10 m Länge OK)
  5. 5RCD: Typ B 40 A (Inverter-Kompressor)
  6. 6Separater Zähler + RS-Empfänger
  7. 7EVU-Freigabe über Schütz an SG-Ready
  8. 8Zählerschrank: 4 Reihen für WP-Bereich

Separater Zählerplatz mit LS C25, RCD Typ B, RS-Empfänger. Leitung 5×4 mm².

2

WP mit PV-Anlage

Aufgabe

Die Wärmepumpe soll PV-Überschuss nutzen. Wie wird das realisiert?

Lösung

  1. 1SG-Ready-Schnittstelle der WP nutzen
  2. 2Energiemanager steuert WP über SG-Ready
  3. 3Eingang 1+2: Potentialfreie Kontakte
  4. 4Bei PV-Überschuss: Eingang 2 aktivieren
  5. 5WP erhöht Vorlauftemperatur / Pufferladung
  6. 6Alternativ: Modbus-Kommunikation
  7. 7EVU-Sperre hat immer Vorrang!

SG-Ready-Anschluss an Energiemanager. Überschussnutzung durch erhöhte Speichertemperatur.

Normative Grundlagen

TAB (Technische Anschlussbedingungen): Netzbetreiberspezifisch

DIN VDE 0100-722: Stromversorgung von Elektrofahrzeugen (analog anwendbar)

§14a EnWG: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen

Wichtige Festlegungen:

  • Anmeldung beim Netzbetreiber Pflicht
  • Sperrzeiten max. 3×2h pro Tag
  • Mindestleistung 4,2 kW muss verfügbar bleiben (§14a)

Häufige Fehler vermeiden

  • ✗Kein RCD Typ B bei Inverter-Wärmepumpe
  • ✗Zuleitung zu dünn (Anlaufstrom unterschätzt)
  • ✗Kein Platz für RS-Empfänger im Zählerschrank
  • ✗SG-Ready-Schnittstelle nicht angeschlossen
  • ✗Wärmepumpe nicht beim Netzbetreiber angemeldet

Zusammenfassung

Wärmepumpen – Installation:

Absicherung:

  • LS C16-C40 je nach Leistung
  • RCD Typ B bei Inverter-WP

Leitung:

  • 5×2,5 bis 5×10 mm² je nach Leistung

Zählerplatz:

  • Bei WP-Tarif: Separater Zähler
  • RS-Empfänger für EVU-Sperre
  • Min. 3-4 Reihen zusätzlich

Smart-Steuerung:

  • SG-Ready-Schnittstelle
  • §14a EnWG: Smart Meter Gateway

Sperrzeiten: Max. 3×2h pro Tag

Häufig gestellte Fragen

Nicht zwingend, aber oft sinnvoll. Mit separatem Zähler können Sie einen günstigeren Wärmepumpentarif nutzen – der Unterschied kann 5-10 ct/kWh betragen. Nachteil: Der Netzbetreiber kann Sperrzeiten verhängen (max. 3×2h pro Tag). Die Kosten für den zweiten Zähler (ca. 30-50 €/Jahr) amortisieren sich meist durch den günstigeren Tarif.

Moderne Wärmepumpen haben Inverter-geregelte Kompressoren (Frequenzumrichter). Diese erzeugen bei einem Isolationsfehler neben Wechselfehlerströmen auch Gleichfehlerströme. Ein normaler RCD Typ A erkennt Gleichfehlerströme nicht und könnte versagen. Typ B ist allstromsensitiv und erkennt alle Fehlerstromarten.

Ab 2024 können Wärmepumpen (und andere steuerbare Verbraucher) über Smart Meter Gateway gesteuert werden. Der Netzbetreiber kann die Leistung bei Netzengpässen reduzieren – aber mindestens 4,2 kW müssen immer verfügbar bleiben. Als Gegenleistung gibt es reduzierte Netzentgelte. Die Steuerung erfolgt über eine Steuerbox, die mit der WP kommuniziert.

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