Praxis-LeitfädenFortgeschritten

Wallbox Installation

Planung und Installation von Ladestationen für Elektrofahrzeuge nach VDE 0100-722.

📖 13 Min. Lesezeit📅 Aktualisiert: 2026-02-04

Formelübersicht

LadeleistungP = √3 × U × I (3-phasig)

Leistung einer Drehstrom-Wallbox

P=Ladeleistung in kWU=400 V (verkettete Spannung)I=Ladestrom in A

Einführung

Die Installation einer Wallbox für Elektrofahrzeuge erfordert besondere Fachkenntnisse und unterliegt speziellen Vorschriften der VDE 0100-722. Als Elektrofachkraft müssen Sie die Anforderungen an Schutzmaßnahmen, Kabelquerschnitte und Anmeldepflichten kennen.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie eine Wallbox normgerecht installieren – von der Planung über die Dimensionierung bis zur Inbetriebnahme.

Ladeleistungen und Phasen

LadeleistungStromPhasenTypische Ladezeit (60 kWh)
3,7 kW16 A1-phasig~16 h
7,4 kW32 A1-phasig~8 h
11 kW16 A3-phasig~5,5 h
22 kW32 A3-phasig~2,7 h

Wichtig: In Deutschland beträgt die Schieflastgrenze 4,6 kVA. Einphasige Wallboxen über 3,7 kW erzeugen unzulässige Schieflast!

Anmeldepflicht

LeistungAnmeldepflichtGenehmigungspflicht
≤ 11 kW✓ beim Netzbetreiber
> 11 kW✓ beim Netzbetreiber✓ Zustimmung erforderlich

Anforderungen nach VDE 0100-722

RCD-Schutz

  • Typ B RCD oder Typ A mit integriertem DC-Schutz (6 mA)
  • Bemessungsfehlerstrom: 30 mA
  • Empfehlung: Eigener RCD für die Wallbox

Überstromschutz

  • LS-Schalter (meist C-Charakteristik)
  • Bemessungsstrom passend zur Ladeleistung
  • Selektivität zur vorgelagerten Sicherung beachten

Leitungsschutz

  • Zuleitung vor Überlast und Kurzschluss schützen
  • Spannungsfall prüfen (< 5%)
  • Kabelquerschnitt nach Verlegeart dimensionieren

Kabelquerschnitte

LadeleistungStromMin. QuerschnittEmpfehlung
11 kW16 A2,5 mm²4 mm²
22 kW32 A6 mm²10 mm²

Hinweis: Für lange Zuleitungen (> 20 m) nächstgrößeren Querschnitt wählen!

Lastmanagement

Bei mehreren Wallboxen oder begrenzter Hausanschlussleistung:

  • Statisches Lastmanagement: Feste Leistungsverteilung
  • Dynamisches Lastmanagement: Anpassung an aktuellen Hausverbrauch
  • Phasenausgleich: Optimale Nutzung aller drei Phasen

Schritt-für-Schritt

  1. 1Hausanschluss-Kapazität prüfen (≥ 11 kW zusätzlich verfügbar?)
  2. 2Standort festlegen (Garage, Carport, Außenwand)
  3. 3Leitungsweg planen und Länge ermitteln
  4. 4Kabelquerschnitt nach Strom und Länge dimensionieren
  5. 5Schutzeinrichtungen: RCD Typ B + LS-Schalter auswählen
  6. 6Wallbox beim Netzbetreiber anmelden (vor Installation!)
  7. 7Installation nach VDE durchführen
  8. 8Erstprüfung nach VDE 0100-600 dokumentieren

Praktische Beispiele

1

11 kW Wallbox in Garage

Aufgabe

Eine 11 kW Wallbox soll in einer Garage installiert werden. Zuleitungslänge: 25 m. Welche Komponenten?

Lösung

  1. 111 kW = 3 × 400 V × 16 A
  2. 2RCD: Typ B, 4-polig, 30 mA, 40 A
  3. 3LS-Schalter: C16, 3-polig
  4. 4Kabel: NYM-J 5×4 mm² (Reserve für Spannungsfall)
  5. 5Spannungsfall: ΔU = √3 × 16 × 25 / (56 × 4) = 3,1 V = 0,8% ✓
  6. 6Anmeldung: Nur anzeigepflichtig (≤ 11 kW)

RCD Typ B 40A/30mA + C16 LS + NYM-J 5×4 mm² über 25 m.

2

22 kW Wallbox Außenwand

Aufgabe

Eine 22 kW Wallbox soll an einer Außenwand installiert werden. Leitungslänge: 15 m.

Lösung

  1. 122 kW = 3 × 400 V × 32 A
  2. 2RCD: Typ B, 4-polig, 30 mA, 63 A
  3. 3LS-Schalter: C32, 3-polig
  4. 4Kabel: NYM-J 5×10 mm² (Außenbereich: erhöhte Anforderungen)
  5. 5Spannungsfall: ΔU = √3 × 32 × 15 / (56 × 10) = 1,5 V = 0,4% ✓
  6. 6Anmeldung: Genehmigungspflichtig (> 11 kW)
  7. 7IP-Schutz: Wallbox mit min. IP54 für Außenbereich

RCD Typ B 63A/30mA + C32 LS + NYM-J 5×10 mm². Genehmigung beim Netzbetreiber erforderlich.

Normative Grundlagen

DIN VDE 0100-722:2019-06: Errichten von Niederspannungsanlagen – Stromversorgung von Elektrofahrzeugen

NAV § 19: Anzeige- und Genehmigungspflicht für Ladeeinrichtungen

DIN EN 61851-1: Konduktive Ladung von Elektrofahrzeugen

Wichtige Anforderungen:

  • RCD Typ B oder Typ A + DC-Schutzmodul
  • Eigener Stromkreis für jede Ladeeinrichtung empfohlen
  • Schutzmaßnahmen wie für Endstromkreise mit Steckvorrichtungen

⚠️Häufige Fehler vermeiden

  • Typ A RCD ohne DC-Schutz verwenden → Gleichfehlerströme nicht erkannt
  • Schieflast bei einphasigen Wallboxen > 4,6 kVA ignorieren
  • Wallbox ohne Anmeldung beim Netzbetreiber installieren
  • Kabelquerschnitt zu knapp bemessen → Spannungsfall zu hoch
  • Keine Erdung/Potentialausgleich für metallisches Gehäuse

📋Zusammenfassung

Wallbox Installation – Checkliste:

✓ Anmeldung beim Netzbetreiber (> 11 kW: Genehmigung) ✓ RCD Typ B oder Typ A + DC-Schutz (6 mA) ✓ LS-Schalter C16 (11 kW) oder C32 (22 kW) ✓ Kabelquerschnitt: 4 mm² (11 kW) / 10 mm² (22 kW) ✓ Spannungsfall < 5% ✓ Erstprüfung nach VDE 0100-600

Ladeleistungen:

  • 11 kW = 3 × 16 A (Standard)
  • 22 kW = 3 × 32 A (genehmigungspflichtig)

Häufig gestellte Fragen

Nein! Schuko-Steckdosen sind für Dauerlasten von 16 A nicht ausgelegt. Die Kontakte können überhitzen und zu Bränden führen. Eine Notladung mit mobilen Ladegeräten ist nur für Ausnahmen gedacht und sollte mit Temperaturüberwachung erfolgen.

Elektrofahrzeuge haben Gleichrichter im Ladegerät. Bei einem Fehler können glatte Gleichfehlerströme entstehen, die ein Typ A RCD nicht erkennt. Typ B erfasst alle Fehlerströme. Alternativ: Typ A + DC-Schutzmodul in der Wallbox (6 mA DC-Erkennung).

Bei 11 kW (anzeigepflichtig): Meist sofortige Bestätigung. Bei 22 kW (genehmigungspflichtig): 2-8 Wochen. Der Netzbetreiber prüft die Netzkapazität. Bei Problemen kann er die Einspeiseleistung begrenzen oder Lastmanagement fordern.

WallboxLadestationE-MobilitätVDE 0100-722RCD Typ B11 kW22 kWElektroauto