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Selektivitäts-Prüfung

Prüfen Sie die Selektivität zwischen LS-Schaltern, Sicherungen und Leistungsschaltern. Mit Selektivitätsgrenze, I²t-Vergleich und Schutzkoordination.

Berechnung

Eingabewerte

Maximaler Kurzschlussstrom Ik

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Was ist Selektivitäts-Prüfung?

Prüfen Sie die Selektivität zwischen LS-Schaltern, Sicherungen und Leistungsschaltern. Mit Selektivitätsgrenze, I²t-Vergleich und Schutzkoordination.

Selektivität in Niederspannungsanlagen

Selektivität bedeutet, dass bei einem Fehler nur die dem Fehlerort nächstgelegene Schutzeinrichtung auslöst. Vorgeschaltete Geräte bleiben eingeschaltet – der Rest der Anlage wird nicht beeinträchtigt. Dies ist besonders in Industrieanlagen und Krankenhäusern sicherheitsrelevant.

Arten der Selektivität

ArtPrinzipAnwendungGrenze
StromselektivitätUnterschiedliche AuslöseströmeLS-Schalter, SicherungenBis Is (Selektivitätsgrenze)
ZeitselektivitätGestaffelte AuslösezeitenLeistungsschalter (LSI)Volle Selektivität möglich
EnergieselektivitätI²t-Wert-BegrenzungModerne LS-SchalterHerstellerabhängig
Zonenselektivität (ZSI)Kommunikation zwischen SchalternHochwertige SchaltanlagenVolle Selektivität

Selektivitätsregeln

KombinationBedingungSelektivität bis
gG / gGNennstromverhältnis ≥ 1,6:1Volle Selektivität
gG / LS BIn_gG ≥ 1,6 × In_LSMeist voll selektiv
gG / LS CIn_gG ≥ 2 × In_LSAbhängig von Ik
LS / LSSelektivitätstabelle erforderlichBis Is (herstellerspez.)
LS / RCDNicht direkt vergleichbarGetrennte Funktionen

Selektivitätsgrenze Is

Die Selektivitätsgrenze Is ist der maximale Kurzschlussstrom, bis zu dem Selektivität gewährleistet ist:

Volle Selektivität:   Is ≥ Ik_max (am Einbauort)
Teilselektivität:     Is < Ik_max
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Bei Ik > Is lösen beide Schutzgeräte gleichzeitig aus (keine Selektivität im Kurzschlussbereich).

Anwendungsbereiche

  • Planung selektiver Verteilungsnetze
  • Selektivitätsnachweis für Krankenhäuser und kritische Infrastruktur
  • Überprüfung bestehender Anlagen nach Erweiterung
  • Schutzkoordination bei Schaltanlagen-Modernisierung
  • Auswahl selektiver Schutzgeräte-Kombinationen
  • Back-up-Schutz Koordination (LS + Vorsicherung)

Häufig gestellte Fragen

Bei fehlender Selektivität lösen mehrere Schutzgeräte gleichzeitig aus. Das führt zu unnötigen Flächenabschaltungen: Beispielsweise fällt die gesamte Unterverteilung aus, obwohl nur ein einzelner Stromkreis fehlerhaft ist. In kritischen Bereichen (Krankenhäuser, Rechenzentren, Produktionsanlagen) kann dies schwerwiegende Folgen haben. Daher fordert VDE 0100-530 die Prüfung der Selektivität.

Durch (1) ausreichende Nennstrom-Staffelung (≥ 1,6:1), (2) Kombination verschiedener Charakteristiken (z. B. C63 vor B16), (3) Verwendung selektiver Hauptleitungsschutzschalter (SLS nach VDE 0641-21), oder (4) Herstellerabgestimmte Gerätepaare mit geprüfter Selektivität. Bei LS/LS-Kombinationen ist volle Selektivität oft nur bis 6–10 kA erreichbar.

Bei gG-Sicherungen mit einem Nennstromverhältnis ≥ 1,6:1 ist in der Regel volle Selektivität gegeben (z. B. 100 A vor 63 A). Bei gleicher Baugröße und kleinerem Verhältnis (z. B. 80 A vor 63 A) ist die Selektivität nicht gewährleistet. Bei aM-Sicherungen gelten andere Regeln, da die Kennlinien unterschiedlich verlaufen.

SLS (Selektive Haupt-Leitungsschutzschalter nach VDE 0641-21) haben eine verzögerte Auslösecharakteristik im Kurzschlussbereich. Dadurch sind sie selektiv zu nachgeschalteten LS-Schaltern bis zum Bemessungsschaltvermögen. SLS-Schalter werden als Vorsicherung im Zählerschrank eingesetzt und ersetzen dort die klassischen Schraubsicherungen.

Der Selektivitätsnachweis umfasst: (1) Übersichtschaltplan mit allen Schutzgeräten, (2) Kurzschlussstromberechnung an jedem Einbauort, (3) Selektivitätsgrenze Is für jede Gerätekombination (aus Herstellertabellen), (4) Vergleich Is ≥ Ik für volle Selektivität. Bei Teilselektivität muss das Risiko bewertet und dokumentiert werden.

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