Überblick
Die elektrische Prüfung ist ein wesentlicher Bestandteil der Anlagensicherheit und gesetzlich vorgeschrieben. Nach DGUV Vorschrift 3 (ehemals BGV A3) müssen elektrische Anlagen und Betriebsmittel regelmäßig geprüft werden. Die VDE 0100-600 definiert dabei die Prüfverfahren und Grenzwerte für Niederspannungsanlagen.
Diese Spezialseite führt Sie durch den kompletten Prüfprozess – von der Vorbereitung über die einzelnen Messungen bis zur Dokumentation.
Das Wichtigste auf einen Blick
- DGUV V3: Rechtliche Grundlage für wiederkehrende Prüfungen
- VDE 0100-600: Technische Prüfnorm für Niederspannungsanlagen
- 6-Schritte-Prüfablauf: Besichtigung, Erprobung, Messung
- Prüffristen: Je nach Anlage und Gefährdung 4 Jahre bis 6 Monate
- Dokumentationspflicht: Prüfprotokoll ist Nachweis der Prüfung
Gesetzliche Grundlagen
Relevante Normen und Vorschriften
Elektrische Anlagen und Betriebsmittel
Die zentrale Unfallverhütungsvorschrift für elektrische Prüfungen in Betrieben. Definiert Prüfpflichten, Prüferqualifikation und Fristen.
Mehr erfahrenPrüfungen von Niederspannungsanlagen
Beschreibt Prüfverfahren und Grenzwerte für Erstprüfung und wiederkehrende Prüfungen von Niederspannungsanlagen.
Mehr erfahrenBetrieb von elektrischen Anlagen
Regelt den sicheren Betrieb und die Arbeit an elektrischen Anlagen. Grundlage für die 5 Sicherheitsregeln.
Betriebssicherheitsverordnung
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln.
Prüfablauf nach VDE 0100-600
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Besichtigung
Sichtprüfung der elektrischen Anlage auf offensichtliche Mängel, Beschädigungen und ordnungsgemäße Ausführung.
Schutzleiterprüfung
Messung des Durchgangswiderstands der Schutzleiter (< 1 Ω bei Querschnitt bis 6 mm²).
Isolationsmessung
Messung des Isolationswiderstands zwischen aktiven Leitern und Erde (min. 1 MΩ bei SELV/PELV, 0,5 MΩ bei < 500 V).
Schleifenimpedanzmessung
Messung der Fehlerschleifenimpedanz zur Prüfung der Abschaltbedingung.
RCD-Prüfung
Funktionsprüfung der Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (Auslösezeit und Auslösestrom).
Dokumentation
Erstellung des Prüfprotokolls mit allen Messwerten und Ergebnissen.
Formel-Sammlung
Wichtige Formeln für die Berechnung
Isolationswiderstand
R_iso = U_prüf / I_leckR_iso | Isolationswiderstand | [MΩ] |
U_prüf | Prüfspannung | [V] |
I_leck | Leckstrom | [µA] |
Schleifenimpedanz
Z_s = U_n / I_aZ_s | Schleifenimpedanz | [Ω] |
U_n | Nennspannung | [V] |
I_a | Abschaltstrom | [A] |
Abschaltbedingung
Z_s ≤ U_0 / I_aZ_s | gemessene Schleifenimpedanz | [Ω] |
U_0 | Nennspannung gegen Erde | [V] |
I_a | Auslösestrom der Schutzeinrichtung | [A] |
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Referenz-Tabellen
Nachschlagewerke und Daten
Praxistipps
Expertenwissen und häufige Fehler
Messgeräte vor jeder Prüfung kalibrieren
Überprüfen Sie vor jeder Prüfkampagne die Kalibrierung Ihrer Messgeräte. Eine jährliche Kalibrierung durch ein akkreditiertes Labor ist empfehlenswert und wird von vielen Auftraggebern gefordert.
Isolationsmessung nur an spannungsfreien Anlagen
Die Isolationsmessung darf nur an vollständig spannungsfreien und freigeschalteten Anlagen durchgeführt werden. Die Prüfspannung (500V DC) kann empfindliche Elektronik beschädigen.
Fehlende Dokumentation der Messbedingungen
Ein häufiger Fehler ist die unvollständige Dokumentation. Notieren Sie immer: Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit, verwendete Messgeräte mit Seriennummer und Prüfmethode.
Systematische Prüfreihenfolge einhalten
Halten Sie die Prüfreihenfolge nach VDE 0100-600 ein: Erst Besichtigung, dann Schutzleiterprüfung, Isolationsmessung, und zuletzt Schleifenimpedanz und RCD-Prüfung.
Prüfcheckliste nach VDE 0100-600
Zum Abhaken und Ausdrucken
- Anlage spannungsfrei schaltenPflicht5 Sicherheitsregeln beachten
- Sichtprüfung durchführenPflichtBeschädigungen, Kennzeichnungen, Verlegeart
- Schutzleiter-DurchgangsmessungPflichtGrenzwert: < 1 Ω bei ≤ 6mm²
- Isolationswiderstand messenPflichtGrenzwert: ≥ 1 MΩ (SELV) / ≥ 0,5 MΩ (< 500V)
- Schleifenimpedanz messenPflichtAbschaltbedingung prüfen
- RCD-Auslösezeit prüfenPflichtmax. 300ms (Typ A), max. 200ms (Typ B)
- RCD-Auslösestrom prüfenPflichtAuslösung bei ≤ I∆n
- Prüfprotokoll erstellenPflichtAlle Messwerte dokumentieren
- Prüfplakette anbringen
- Nächsten Prüftermin festlegenPflicht
Häufig gestellte Fragen
Antworten auf wichtige Fragen zu Elektroprüfung Komplett
Elektrische Prüfungen dürfen nur von Elektrofachkräften (EFK) oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen (EuP) unter Aufsicht einer EFK durchgeführt werden. Die Qualifikation muss nachweisbar sein.
Die Prüffristen hängen von der Anlagenart und Gefährdung ab. Ortsfeste Anlagen: alle 4 Jahre. Ortsveränderliche Geräte: alle 6-24 Monate je nach Einsatzort. Die genauen Fristen ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung.
Bei Unfällen durch nicht geprüfte Anlagen erlischt in der Regel der Versicherungsschutz. Zudem drohen Bußgelder und strafrechtliche Konsequenzen für die verantwortlichen Personen.
Mindestens: Isolationsmessgerät (500V/1000V), Schleifenimpedanzmessgerät, Niederohmmessgerät für Schutzleiter, RCD-Prüfgerät. Idealerweise ein Installationstester, der alle Funktionen vereint.