Kernrechner

Lastberechnung nach VDE

Berechnen Sie die elektrische Anschlussleistung für Gebäude nach DIN 18015-1. Mit Gleichzeitigkeitsfaktoren, Bedarfsfaktoren und TAB-konformer Hausanschluss-Dimensionierung.

Lastberechnung nach DIN 18015-1

Die Lastberechnung ermittelt die erforderliche elektrische Anschlussleistung eines Gebäudes. Sie ist die Grundlage für die Dimensionierung von Hausanschluss, Hauptverteilung und Zählerplatz.

Berechnungsformel

Pb = Σ(Pi × gi) × gges

Pb  = Bemessungsleistung [kW]
Pi  = Installierte Leistung je Verbraucher [kW]
gi  = Gleichzeitigkeitsfaktor je Gruppe
gges = Gesamtgleichzeitigkeitsfaktor

Gleichzeitigkeitsfaktoren nach DIN 18015-1

VerbrauchergruppeFaktor gAnmerkung
Beleuchtung0,7 – 0,8LED niedriger
Steckdosen0,1 – 0,3Wohnnutzung
Elektrokocher0,6 – 0,8Typisch 0,7
Warmwasser (Durchlauferhitzer)1,0Volllast
Wärmepumpe0,8 – 1,0Anlaufspitze beachten
Wallbox0,7 – 1,0Je nach Lademanagement
Klimaanlage0,5 – 0,8Saisonal

Gesamtgleichzeitigkeitsfaktor

GebäudetypggesTypischer Bereich
Einfamilienhaus0,5 – 0,7Standard: 0,6
Mehrfamilienhaus (je WE)0,4 – 0,6Ab 10 WE: 0,4
Bürogebäude0,5 – 0,7Je nach Ausstattung
Gewerbe0,6 – 0,8Produktionsabhängig
Industrie0,7 – 0,9Schichtbetrieb

Hausanschlussgrößen

AbsicherungLeistung ca.Anwendung
3×25 A17 kWKleine Wohnung
3×35 A24 kWStandard EFH
3×50 A35 kWEFH + Wärmepumpe
3×63 A43 kWEFH + WP + Wallbox
3×80 A55 kWGroßes EFH / MFH
3×100 A69 kWGewerblich

Anwendungsbereiche

  • Neubauprojekte – Dimensionierung des Hausanschlusses beim Netzbetreiber
  • Erweiterung bestehender Anlagen – Prüfung ob Kapazität ausreicht (Wallbox, Wärmepumpe)
  • Renovierung – Modernisierung auf aktuelle TAB-Anforderungen
  • Voranfrage beim Netzbetreiber – Dokumentation für Anschlussantrag
  • Mehrfamilienhäuser – Berechnung nach Anzahl Wohneinheiten
  • Gewerbeobjekte – Lastermittlung für Produktionsanlagen

Häufig gestellte Fragen

Der Gleichzeitigkeitsfaktor (g) berücksichtigt, dass nicht alle Verbraucher gleichzeitig in Betrieb sind. Bei Wohngebäuden liegt der Gesamtfaktor typisch bei 0,5-0,6. Das bedeutet: Von 20 kW installierter Leistung werden maximal 10-12 kW gleichzeitig abgerufen. Die DIN 18015-1 gibt für verschiedene Verbrauchergruppen spezifische Faktoren vor. Ein Durchlauferhitzer hat g=1,0 (Volllast), Steckdosen nur g=0,1-0,3.

Eine Erweiterung ist nötig, wenn die berechnete Bemessungsleistung die Kapazität des bestehenden Anschlusses übersteigt. Typische Auslöser: Installation einer Wärmepumpe (8-15 kW), Wallbox (11-22 kW) oder eines zweiten Durchlauferhitzers. Prüfen Sie zuerst Ihr Lastenheft beim Netzbetreiber. Oft kann durch intelligentes Lastmanagement (z.B. dynamische Wallbox-Begrenzung) eine Erweiterung vermieden werden.

Der **Anschlusswert** ist die Summe aller installierten Nennleistungen – die theoretisch maximale Last. Die **Bemessungsleistung** berücksichtigt die Gleichzeitigkeitsfaktoren und entspricht der realistisch zu erwartenden Spitzenlast. Bei einem typischen Einfamilienhaus liegt die Bemessungsleistung bei 50-60% des Anschlusswerts. Die Hausanschluss-Dimensionierung erfolgt nach der Bemessungsleistung.

Standard-Wallboxen haben 11 kW (3×16 A) oder 22 kW (3×32 A). Bei der Lastberechnung empfiehlt sich: 11-kW-Box mit g=0,8-1,0, da oft während des Ladens auch andere Verbraucher aktiv sind. Mit intelligentem Lastmanagement kann die Wallbox dynamisch auf 6-11 kW begrenzt werden, was die Anforderungen an den Hausanschluss deutlich reduziert. Sprechen Sie mit Ihrem Netzbetreiber über TAB-Anforderungen.

Die DIN 18015-1 ist primär für Wohngebäude konzipiert. Für Gewerbeobjekte gibt es keine einheitliche Norm zur Lastberechnung – hier wird individuell nach Nutzungsprofil und Betriebszeiten kalkuliert. Die Gleichzeitigkeitsfaktoren liegen bei Gewerbe typischerweise höher (0,7-0,9) als bei Wohnnutzung. Bei Industrieanlagen erfolgt die Berechnung nach tatsächlichem Lastgang mit Lastspitzenmessung.