Verteilungs-Lastrechner

Dimensionieren Sie Unterverteilungen (UV), Hauptverteilungen (HV) und NSHV nach VDE. Mit Bemessungsstrom, Vorsicherung und Reserveplanung.

Lastberechnung für Verteilungen und Schaltanlagen

Die korrekte Dimensionierung von Unterverteilungen (UV), Hauptverteilungen (HV) und Niederspannungshauptverteilungen (NSHV) ist entscheidend für Betriebssicherheit und Selektivität.

Berechnungsformel Bemessungsstrom

Ib = P / (√3 × U × cos φ)       (Drehstrom)
Ib = P / (U × cos φ)             (Wechselstrom)

Ib    = Bemessungsstrom [A]
P     = Bemessungsleistung [W]
U     = Nennspannung [V]
cos φ = Leistungsfaktor (typ. 0,9)

Verteilungstypen und Einsatzbereiche

TypKürzelBemessungsstromTypischer Einsatz
UnterverteilungUVbis 63 AWohnung, Etage, Bereich
HauptverteilungHVbis 250 AGebäude, Halle
NS-HauptverteilungNSHVbis 4000 AIndustrie, Trafostation
ZählerverteilungZVnach TABMehrfamilienhaus
EtagenverteilerEVbis 100 AStockwerksversorgung

Abgangskategorien und Gleichzeitigkeitsfaktoren

VerbraucherartStrom je AbgangFaktor g
Beleuchtung10 A0,8
Steckdosen16 A0,3
Elektroherd20 A0,6
Durchlauferhitzer32 A1,0
Motor bis 4 kW16 A0,5
Unterverteilungvariabel0,7

Reserveplanung

GebäudetypReserve-KapazitätBegründung
Wohngebäude15-20%Moderate Erweiterung
Bürogebäude20-25%Technologiewandel
Industrie25-30%Produktionserweiterung
Rechenzentrum30-40%Schnelles Wachstum

Anwendungsbereiche

  • Neuplanung von Unterverteilungen für Wohnungen oder Gewerbeeinheiten
  • Erweiterung bestehender Verteilungen mit Kapazitätsprüfung
  • Dimensionierung von Hauptverteilungen für Mehrfamilienhäuser
  • Industrielle Schaltanlagenplanung mit NSHV
  • Etagenverteiler-Planung in Bürogebäuden
  • Prüfung von Reservekapazitäten bei Modernisierung

Häufig gestellte Fragen

Die Unterverteilung (UV) versorgt einen lokalen Bereich (Wohnung, Etage) mit typisch bis 63 A. Die Hauptverteilung (HV) ist der zentrale Gebäudeverteiler und speist mehrere UVs, typisch bis 250 A. Die Niederspannungs-Hauptverteilung (NSHV) ist der primäre Verteiler direkt am Trafo mit Strömen bis 4000 A für Industrieanlagen. Je weiter stromaufwärts, desto höher die Ströme und komplexer die Schutzkoordination.

Für Wohngebäude empfehlen sich 15-20% Reserve (freie Abgänge und Sammelschienen-Kapazität). Bei Büros und Gewerbe 20-25% wegen technologischer Änderungen. In der Industrie 25-30% für Produktionsänderungen. Praktisch bedeutet das: Bei 10 benötigten Abgängen einen Verteiler mit 12-13 Plätzen wählen.

Die Vorsicherung muss (1) größer als der berechnete Bemessungsstrom sein und (2) Selektivität zu den nachfolgenden Sicherungen gewährleisten. Typische Werte: Wohnungs-UV 35-50 A, Etagen-UV 63-100 A. Die Vorsicherung darf nicht größer als die Zuleitung erlaubt – Koordination: Ib ≤ In ≤ Iz (Betriebsstrom ≤ Nennstrom ≤ Kabelbelastbarkeit).

Für Selektivität müssen die Sicherungen gestaffelt sein. Faustregel: Jede Ebene einen Faktor 1,6-2 höher als die darunter. Beispiel: Endstromkreis 16 A → UV-Vorsicherung 40 A → HV-Vorsicherung 80 A. Bei modernen Systemen kann Teilselektivität durch Zeitstaffelung oder Energieselektivität ergänzt werden.

Für Wohngebäude gilt DIN 18015-1 (Ausstattungswerte, Stromkreise). Die allgemeine Errichtung von Verteilern regelt VDE 0100-729 (Schalt- und Verteilerfelder). Für Schaltanlagen in der Industrie zusätzlich VDE 0660-600 (Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen). Der Bemessungsstrom und die Kurzschlussfestigkeit müssen nachgewiesen werden.