Aufbau und Funktionsprinzip
Eine Spule besteht aus einem Draht, der zu Windungen geformt ist. Beim Stromfluss entsteht ein Magnetfeld:
┌──────────────────┐
│ N Windungen │
│ ┌───────────┐ │
───▶ │ │ ≋≋≋≋≋ │ │ ───▶ Magnetfeld Φ
I │ │ ≋≋≋≋≋ │ │
│ └───────────┘ │
└──────────────────┘
↑ Kern (Luft, Eisen, Ferrit)
Selbstinduktion: Eine Stromänderung erzeugt eine Gegen-Spannung:
U = -L × dI/dt
Das Minuszeichen bedeutet: Die Spule „wehrt sich" gegen Stromänderungen.
Einheit und Größenordnungen
Die Einheit der Induktivität ist Henry (H), benannt nach Joseph Henry.
| Einheit | Abkürzung | Faktor | Typische Anwendung |
|---|
| Nanohenry | nH | 10⁻⁹ H | HF-Schaltungen, EMV-Filter |
| Mikrohenry | µH | 10⁻⁶ H | Schaltregler, Entstörung |
| Millihenry | mH | 10⁻³ H | Netzfilter, Drosseln |
| Henry | H | 1 H | Große Drosseln, Relais |
Verhalten bei Gleichstrom
Bei konstanter Gleichspannung:
- Beim Einschalten steigt der Strom langsam an (magnetischer Feldaufbau)
- Im eingeschwungenen Zustand: Die Spule verhält sich wie ein Kurzschluss (nur ohmscher Drahtwiderstand)
- Beim Abschalten: Hohe Induktionsspannung kann entstehen (Funkenlöschung nötig!)
Zeitkonstante: τ = L / R
Nach 5τ hat der Strom 99,3% des Endwertes erreicht.
Verhalten bei Wechselstrom
Bei Wechselstrom wirkt die Spule als frequenzabhängiger Widerstand:
X_L = 2πfL = ωL
Eigenschaften:
- Spannung eilt dem Strom um 90° voraus (induktiv)
- Je höher die Frequenz, desto größer der Blindwiderstand
- Je größer die Induktivität, desto größer der Blindwiderstand
Die Spule wirkt wie ein Tiefpass: Hohe Frequenzen werden gesperrt, niedrige Frequenzen durchgelassen.
Schaltungen
Reihenschaltung
Die Gesamtinduktivität addiert sich (wie bei Widerständen):
L_ges = L₁ + L₂ + L₃ + ...
Parallelschaltung
Die Gesamtinduktivität verringert sich:
1/L_ges = 1/L₁ + 1/L₂ + 1/L₃ + ...
Achtung: Bei magnetischer Kopplung zwischen Spulen ändert sich die Berechnung!
Vergleich: Spule vs. Kondensator
| Eigenschaft | Spule (L) | Kondensator (C) |
|---|
| Speichert | Magnetische Energie | Elektrische Energie |
| Energie | W = ½LI² | W = ½CU² |
| Bei DC | Kurzschluss (nach Einschwingen) | Unterbrechung |
| Blindwiderstand | X_L = ωL (steigt mit f) | X_C = 1/(ωC) (sinkt mit f) |
| Phasenverschiebung | U vor I (90°) | I vor U (90°) |
| Wirkung | Tiefpass | Hochpass |
Wichtige Bauformen
Luftspulen
- Induktivität: klein (nH bis µH)
- Vorteile: Keine Sättigung, keine Verluste im Kern
- Anwendung: HF-Technik, Antennen
Eisenkernspulen
- Induktivität: groß (mH bis H)
- Kern: Transformatorblech (geschichtet gegen Wirbelströme)
- Anwendung: Netzfrequenz, Drosseln, Transformatoren
Ferritkernspulen
- Induktivität: mittel (µH bis mH)
- Kern: Ferrit (hoher Widerstand → geringe Wirbelströme)
- Anwendung: Schaltnetzteile, EMV-Filter, Entstördrosseln
Ringkerndrosseln
- Form: Toroidaler Kern (Ring)
- Vorteile: Geringe Streuung, kompakt
- Anwendung: Netzfilter, Speicherdrosseln
Kernmaterialien
| Material | µᵣ (relativ) | Anwendung |
|---|
| Luft | 1 | HF-Spulen |
| Ferrit (NiZn) | 10–1000 | EMV-Filter (MHz) |
| Ferrit (MnZn) | 1000–10000 | Schaltnetzteile (kHz) |
| Eisen (Blech) | 4000–10000 | Netzfrequenz 50 Hz |
| Nanokristallin | 15000–100000 | Hohe Güte, Stromsensor |
Sättigung: Bei zu hohem Strom geht die Permeabilität zurück → Induktivität sinkt → problematisch bei Schaltnetzteilen!