Aufbau, Kenngrößen, Bauformen und Anwendungen von Kondensatoren – vom Siebkondensator bis zur Blindleistungskompensation.
12 Min. LesezeitAktualisiert: 04.02.2026
Formelübersicht
KapazitätC = Q / U
Definition: Ladung pro Spannung
C=Kapazität in Farad (F)Q=Ladung in Coulomb (As)U=Spannung in Volt (V)
Kapazitiver BlindwiderstandX_C = 1 / (2πfC)
Widerstand eines Kondensators bei Wechselstrom
X_C=Blindwiderstand in Ohm (Ω)f=Frequenz in Hertz (Hz)C=Kapazität in Farad (F)
Gespeicherte EnergieW = ½ × C × U²
Im elektrischen Feld gespeicherte Energie
W=Energie in Joule (J) oder Ws
ParallelschaltungC_ges = C₁ + C₂ + C₃ + ...
Kapazitäten addieren sich direkt
Reihenschaltung1/C_ges = 1/C₁ + 1/C₂ + 1/C₃ + ...
Kehrwerte der Kapazitäten addieren sich
Einführung
Der Kondensator ist neben dem Widerstand und der Spule eines der drei passiven Grundbauelemente der Elektrotechnik. Er speichert Energie in einem elektrischen Feld und wird in nahezu allen elektronischen Schaltungen eingesetzt – von der Siebung in Netzteilen bis zur Blindleistungskompensation in Industrieanlagen.
In diesem Ratgeber lernen Sie die Grundlagen, Kenngrößen und wichtigsten Anwendungen von Kondensatoren kennen.
Aufbau und Funktionsprinzip
Ein Kondensator besteht im einfachsten Fall aus zwei leitfähigen Platten (Elektroden), die durch ein nichtleitendes Material (Dielektrikum) getrennt sind.
Beim Anlegen einer Spannung sammeln sich Ladungsträger auf den Elektroden:
Positive Ladungen (+) auf der einen Seite
Negative Ladungen (−) auf der anderen Seite
Die gespeicherte Ladungsmenge Q ist proportional zur angelegten Spannung U:
C = Q / U
Einheit und Größenordnungen
Die Einheit der Kapazität ist Farad (F), benannt nach Michael Faraday.
Ein Farad ist sehr groß – in der Praxis verwendet man:
Einheit
Abkürzung
Faktor
Typische Anwendung
Picofarad
pF
10⁻¹² F
HF-Schaltungen, Antennen
Nanofarad
nF
10⁻⁹ F
Entstörung, Filter
Mikrofarad
µF
10⁻⁶ F
Siebung, Kopplung
Millifarad
mF
10⁻³ F
Motoranlauf, Kompensation
Farad
F
1 F
Superkondensatoren (Supercaps)
Verhalten bei Gleichstrom
Bei Gleichstrom sperrt der Kondensator nach dem Aufladen:
Beim Einschalten fließt zunächst ein hoher Strom (Ladevorgang)
Die Spannung am Kondensator steigt exponentiell an
Im eingeschwungenen Zustand: Strom = 0 (Isolator)
Zeitkonstante: τ = R × C
Nach 5τ ist der Kondensator zu 99,3% geladen.
Verhalten bei Wechselstrom
Bei Wechselstrom verhält sich der Kondensator als frequenzabhängiger Widerstand:
X_C = 1 / (2πfC) = 1 / (ωC)
Eigenschaften:
Strom eilt der Spannung um 90° voraus (kapazitiv)
Je höher die Frequenz, desto kleiner der Blindwiderstand
Je größer die Kapazität, desto kleiner der Blindwiderstand
Der Kondensator wirkt wie ein Hochpass: Niedrige Frequenzen werden gesperrt, hohe Frequenzen werden durchgelassen.
Schaltungen
Parallelschaltung
Die Gesamtkapazität addiert sich:
C_ges = C₁ + C₂ + C₃ + ...
→ Parallel geschaltete Kondensatoren verhalten sich wie ein größerer Kondensator
Reihenschaltung
Die Gesamtkapazität verringert sich:
1/C_ges = 1/C₁ + 1/C₂ + 1/C₃ + ...
Bei zwei Kondensatoren: C_ges = (C₁ × C₂) / (C₁ + C₂)
→ Reihenschaltung erhöht die zulässige Spannungsfestigkeit
Wichtige Bauformen
Elektrolytkondensatoren (Elkos)
Kapazität: 0,1 µF – 100.000 µF
Spannung: typ. 6,3 V – 450 V
Polung: Gepolt! Plus und Minus beachten
Anwendung: Siebung in Netzteilen, Pufferung
Folienkondensatoren
Kapazität: 1 nF – 100 µF
Spannung: bis 2000 V
Polung: Unpolar
Anwendung: Entstörung, Kopplung, HiFi
Keramikkondensatoren
Kapazität: 1 pF – 100 µF
Spannung: bis 50 kV
Polung: Unpolar
Anwendung: HF-Schaltungen, SMD-Bestückung
Kompensationskondensatoren
Kapazität: 1 – 100 kvar
Spannung: 400 V / 690 V (Drehstrom)
Bauform: Zylinder oder Würfel
Anwendung: Blindleistungskompensation in Industrie
Schritt-für-Schritt
1Anwendung analysieren: Was soll der Kondensator tun?
2Erforderliche Kapazität berechnen oder aus Applikation ableiten
Elkos nutzen eine sehr dünne Oxidschicht als Dielektrikum, die nur in einer Richtung isolierend wirkt. Bei falscher Polung leitet sie – es kommt zu chemischen Reaktionen, Gasbildung und im schlimmsten Fall zur Explosion. Immer Plus an höheres Potential anschließen!
ESR (Equivalent Series Resistance) ist der Ersatz-Serienwiderstand des Kondensators. Bei Schaltnetzteilen fließen hohe Ripple-Ströme durch den Elko – ein hoher ESR führt zu Verlusten und Erwärmung. Für Schaltnetzteile werden „Low-ESR"-Elkos benötigt.
Theoretisch unendlich, praktisch begrenzt durch Leckströme. Superkondensatoren halten Stunden bis Tage, normale Elkos Minuten bis Stunden. Kleine Keramik-Kondensatoren verlieren ihre Ladung in Sekunden. Vorsicht: Große Kondensatoren können auch nach Abschalten noch gefährliche Spannungen halten!
Wenn Ihre Anlage einen schlechten Leistungsfaktor (cos φ < 0,9) hat – typisch bei vielen Motoren oder Leuchtstofflampen. Der Netzbetreiber berechnet oft Blindstromgebühren. Kompensationskondensatoren verbessern den cos φ und senken die Stromrechnung.