Aufbau und Funktionsprinzip
Ein Kondensator besteht im einfachsten Fall aus zwei leitfähigen Platten (Elektroden), die durch ein nichtleitendes Material (Dielektrikum) getrennt sind.
═══════════ ← Elektrode (Platte 1)
┊ ┊ ┊ ┊ ← Dielektrikum (Isolator)
═══════════ ← Elektrode (Platte 2)
Beim Anlegen einer Spannung sammeln sich Ladungsträger auf den Elektroden:
- Positive Ladungen (+) auf der einen Seite
- Negative Ladungen (−) auf der anderen Seite
Die gespeicherte Ladungsmenge Q ist proportional zur angelegten Spannung U:
C = Q / U
Einheit und Größenordnungen
Die Einheit der Kapazität ist Farad (F), benannt nach Michael Faraday.
Ein Farad ist sehr groß – in der Praxis verwendet man:
| Einheit | Abkürzung | Faktor | Typische Anwendung |
|---|
| Picofarad | pF | 10⁻¹² F | HF-Schaltungen, Antennen |
| Nanofarad | nF | 10⁻⁹ F | Entstörung, Filter |
| Mikrofarad | µF | 10⁻⁶ F | Siebung, Kopplung |
| Millifarad | mF | 10⁻³ F | Motoranlauf, Kompensation |
| Farad | F | 1 F | Superkondensatoren (Supercaps) |
Verhalten bei Gleichstrom
Bei Gleichstrom sperrt der Kondensator nach dem Aufladen:
- Beim Einschalten fließt zunächst ein hoher Strom (Ladevorgang)
- Die Spannung am Kondensator steigt exponentiell an
- Im eingeschwungenen Zustand: Strom = 0 (Isolator)
Zeitkonstante: τ = R × C
Nach 5τ ist der Kondensator zu 99,3% geladen.
Verhalten bei Wechselstrom
Bei Wechselstrom verhält sich der Kondensator als frequenzabhängiger Widerstand:
X_C = 1 / (2πfC) = 1 / (ωC)
Eigenschaften:
- Strom eilt der Spannung um 90° voraus (kapazitiv)
- Je höher die Frequenz, desto kleiner der Blindwiderstand
- Je größer die Kapazität, desto kleiner der Blindwiderstand
Der Kondensator wirkt wie ein Hochpass: Niedrige Frequenzen werden gesperrt, hohe Frequenzen werden durchgelassen.
Schaltungen
Parallelschaltung
Die Gesamtkapazität addiert sich:
C_ges = C₁ + C₂ + C₃ + ...
→ Parallel geschaltete Kondensatoren verhalten sich wie ein größerer Kondensator
Reihenschaltung
Die Gesamtkapazität verringert sich:
1/C_ges = 1/C₁ + 1/C₂ + 1/C₃ + ...
Bei zwei Kondensatoren: C_ges = (C₁ × C₂) / (C₁ + C₂)
→ Reihenschaltung erhöht die zulässige Spannungsfestigkeit
Wichtige Bauformen
Elektrolytkondensatoren (Elkos)
- Kapazität: 0,1 µF – 100.000 µF
- Spannung: typ. 6,3 V – 450 V
- Polung: Gepolt! Plus und Minus beachten
- Anwendung: Siebung in Netzteilen, Pufferung
Folienkondensatoren
- Kapazität: 1 nF – 100 µF
- Spannung: bis 2000 V
- Polung: Unpolar
- Anwendung: Entstörung, Kopplung, HiFi
Keramikkondensatoren
- Kapazität: 1 pF – 100 µF
- Spannung: bis 50 kV
- Polung: Unpolar
- Anwendung: HF-Schaltungen, SMD-Bestückung
Kompensationskondensatoren
- Kapazität: 1 – 100 kvar
- Spannung: 400 V / 690 V (Drehstrom)
- Bauform: Zylinder oder Würfel
- Anwendung: Blindleistungskompensation in Industrie