Zum Hauptinhalt springen
ElekRechnerElekRechner
ElekRechnerElekRechner

Professionelle Elektrotechnik-Rechner nach VDE-Standards. Kostenlos für Elektriker, Ingenieure und Auszubildende.

Rechner

  • Grundlagen
  • Leitungsberechnung
  • Lastberechnung
  • Kurzschlussstrom
  • Motorberechnung
  • Schutzberechnung
  • Prüfung & Messung
  • Erneuerbare Energien
  • Transformatoren
  • Gebäudeautomation
  • Beleuchtung
  • Netzqualität

Ressourcen

  • Ratgeber
  • Tabellen
  • Spezialthemen
  • Aktuelles

Rechtliches

  • Impressum
  • Datenschutz

© 2026 ElekRechner.com – Alle Rechte vorbehalten

ImpressumDatenschutz
Startseite/Ratgeber/Grundlagen-Tutorials/Oberschwingungen in elektrischen Anlagen
Grundlagen-TutorialsFortgeschritten

Oberschwingungen in elektrischen Anlagen

Entstehung, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen bei Netzrückwirkungen durch nichtlineare Verbraucher.

12 Min. LesezeitAktualisiert: 04.02.2026

Formelübersicht

THD (Klirrfaktor)THD = √(U₂² + U₃² + ... + Uₙ²) / U₁

Verhältnis der Oberschwingungsanteile zur Grundschwingung

U₁=GrundschwingungsspannungUₙ=n-te Oberschwingungsspannung

Einführung

Oberschwingungen sind Wechselströme oder -spannungen mit einem Vielfachen der Netzfrequenz (50 Hz). Die 3. Oberschwingung hat 150 Hz, die 5. Oberschwingung 250 Hz, usw.

Sie entstehen durch nichtlineare Verbraucher wie Schaltnetzteile, LEDs, Frequenzumrichter und Gleichrichter. In modernen Anlagen mit vielen elektronischen Geräten sind Oberschwingungen ein zunehmend wichtiges Thema.

Was sind Oberschwingungen?

Das Stromnetz liefert idealerweise eine reine Sinuswelle mit 50 Hz (Grundschwingung). Nichtlineare Verbraucher verzerren diese Welle und erzeugen höherfrequente Anteile:

Idealer Sinus (50 Hz) = Grundschwingung

→

Verzerrte Kurve

+ Oberschwingungen

Ordnungszahlen

OrdnungszahlFrequenzTypische Quellen
1 (Grundschwingung)50 HzNetz
3150 Hz1-phasige Schaltnetzteile, LED-Treiber
5250 HzFrequenzumrichter (6-Puls)
7350 HzFrequenzumrichter (6-Puls)
9450 HzSchaltnetzteile
11, 13550, 650 HzGroße Gleichrichter (12-Puls)

Typische Oberschwingungsquellen

VerbraucherDominante OrdnungenTHD (Strom)
LED-Leuchtmittel3, 5, 720-100%
PC-Netzteile3, 5, 7, 950-80%
Frequenzumrichter5, 7, 11, 1330-50%
Einphasen-Gleichrichter3, 5, 780-100%
Kompaktleuchtstofflampen3, 5, 770-150%
SchweißgeräteBreitband40-60%

Auswirkungen

Neutralleiter-Überlastung (3. Oberschwingung)

Bei symmetrischer Last heben sich die Ströme im N-Leiter auf. Aber: Die 3. Oberschwingung addiert sich!

L1 10A Grundwelle + 3A 3.OS L2 10A Grundwelle + 3A 3.OS L3 10A Grundwelle + 3A 3.OS N 0A Grundwelle + 9A 3.OS !!!

Konsequenz: N-Leiter führt bis zu 173% des Außenleiterstroms!

Weitere Auswirkungen

ProblemUrsacheFolge
Erwärmung von KabelnSkin-Effekt bei HFÜberlast, Brand
Erwärmung von TrafosEisenverlusteLebensdauer ↓
Motor-ÜberhitzungDrehmomentwelligkeitEffizienz ↓
Kondensator-SchädenResonanzüberhöhungExplosion
Fehlfunktion RCDsDifferenzströmeFehlauslösung
Messgeräte-FehlerNicht True-RMSFalscher Wert

Grenzwerte

DIN EN 61000-3-2 (Haushaltsgeräte bis 16 A)

OrdnungGrenzwert (Klasse A)
32,30 A
51,14 A
70,77 A
90,40 A
110,33 A
130,21 A

THD-Grenzwerte (Spannung)

SpannungsebeneTHD max.
Niederspannung (< 1 kV)8%
Mittelspannung (1-35 kV)6,5%
Hochspannung (> 35 kV)3%

Messung

Hinweis zu Messgeräten

Nur True-RMS-Messgeräte zeigen bei Oberschwingungen korrekte Werte!

MessgerätMessungErgebnis (bei THD 50%)
Standard-MultimeterMittelwert10% zu niedrig
True-RMS-MultimeterEffektivwertKorrekt
NetzanalysatorSpektrumAlle Details

Gegenmaßnahmen

Passive Filter

Netz Verbraucher L C ⏚ Saugkreis

Resonanzfrequenz: f_res = 1 / (2π√LC)

Aktive Filter

Elektronisches System, das Gegen-Oberschwingungen erzeugt. Teuer, aber effektiv für breites Spektrum.

Verdrosselte Kompensation

Bei Blindleistungskompensation: Drosseln verhindern Resonanz zwischen Kondensator und Netzinduktivität.

Konstruktive Maßnahmen

MaßnahmeWirkung
12-Puls-GleichrichterKein 5., 7. OS
Aktive PFCReduziert THD auf < 5%
4-Leiter-SystemSeparater N für OS-Ströme
Verstärkter N-LeiterBei 3. OS mind. gleich wie L

Schritt-für-Schritt

  1. 1Anlage analysieren: Welche Verbraucher erzeugen Oberschwingungen?
  2. 2Messung mit Netzanalysator (THD, Spektrum)
  3. 3Grenzwerte prüfen (EN 61000-3-2)
  4. 4Probleme identifizieren (N-Überlastung, Erwärmung)
  5. 5Gegenmaßnahmen planen (Filter, Verdrosselung)
  6. 6N-Leiter dimensionieren (min. gleich wie L)
  7. 7Bei Kompensation: Verdrosselung vorsehen
  8. 8Dokumentation und Monitoring

Praktische Beispiele

1

LED-Beleuchtung und N-Leiter

Aufgabe

Ein Büro wird mit 100 LED-Leuchten à 30 W bestückt. Gesamtleistung 3 kW. Wie ist der N-Leiter zu dimensionieren?

Lösung

  1. 1Gesamtstrom pro Phase: ca. 4,3 A (bei cos φ ≈ 1)
  2. 2LED-Treiber haben typisch 30-50% 3. Oberschwingung
  3. 3I_3.OS ≈ 0,4 × 4,3 A = 1,7 A pro Phase
  4. 4Im N-Leiter addiert sich: I_N ≈ 3 × 1,7 = 5,1 A
  5. 5Grundwelle hebt sich auf: 0 A
  6. 6Gesamt im N: 5,1 A (mehr als jeder Außenleiter!)
  7. 7N-Leiter mindestens wie L dimensionieren

N-Leiter voll dimensionieren (gleicher Querschnitt wie L). True-RMS-Messgerät verwenden.

2

FU-Anlage mit Kompensation

Aufgabe

In einer Werkstatt mit 5 Frequenzumrichtern soll eine Blindleistungskompensation installiert werden.

Lösung

  1. 1FUs erzeugen 5., 7., 11., 13. Oberschwingung
  2. 2THD-I typisch: 30-50%
  3. 3Kondensatorbank ohne Drossel: Resonanzgefahr!
  4. 4Lösung: Verdrosselte Kompensation
  5. 5Verdrosselungsgrad: 7% (für 5. OS)
  6. 6Alternative: 14% bei sehr hohem OS-Anteil
  7. 7Kondensatoren für Oberschwingungen geeignet wählen

Kompensation mit 7% Verdrosselung installieren. Netzanalysator-Messung nach Installation.

Normative Grundlagen

DIN EN 61000-3-2: Grenzwerte für Oberschwingungsströme

DIN EN 61000-2-2: Verträglichkeitspegel für Niederspannungsnetze

DIN EN 50160: Merkmale der Spannung in öffentlichen Elektrizitätsversorgungsnetzen

Wichtige Festlegungen:

  • THD (Spannung) Niederspannung: max. 8%
  • Grenzwerte für einzelne Oberschwingungen
  • Messverfahren und Bewertungsintervalle

Häufige Fehler vermeiden

  • ✗N-Leiter kleiner als L dimensioniert → Überlastung
  • ✗Standard-Multimeter bei Oberschwingungen → falscher Messwert
  • ✗Kompensationskondensatoren ohne Verdrosselung → Resonanz
  • ✗RCD-Fehlauslösungen nicht auf Oberschwingungen geprüft
  • ✗Oberschwingungsprobleme erst bei Schäden erkannt

Zusammenfassung

Oberschwingungen – Zusammenfassung:

Typische Quellen:

  • LED, Schaltnetzteile: 3., 5., 7. OS
  • Frequenzumrichter: 5., 7., 11., 13. OS

Hauptproblem:

  • 3. OS addiert sich im N-Leiter (bis 173%!)

Grenzwerte:

  • THD (Spannung) ≤ 8% im NS-Netz

Gegenmaßnahmen:

  • N-Leiter voll dimensionieren
  • Verdrosselte Kompensation
  • Passive/aktive Filter

Messung: Nur True-RMS-Messgeräte!

Häufig gestellte Fragen

Bei der Grundschwingung (50 Hz) sind die drei Phasen um 120° zueinander verschoben und heben sich im N-Leiter auf. Die 3. Oberschwingung (150 Hz) ist aber in allen drei Phasen gleichphasig (0°, 360°, 720° = alle gleich). Daher addieren sich die 3. OS-Ströme aller drei Phasen zum dreifachen Wert im N-Leiter.

Ja, nach DIN EN 61000-3-2 müssen alle Geräte bis 16 A Oberschwingungsgrenzwerte einhalten. Qualitäts-LEDs mit aktiver PFC haben THD < 10%. Billige LEDs ohne PFC können THD > 100% haben. Achten Sie auf CE-Kennzeichnung und Qualitätsprodukte.

Ein Netzanalysator ist sinnvoll bei: unerklärlicher Erwärmung von Leitungen oder Trafos, RCD-Fehlauslösungen, vor Installation von Kompensationsanlagen, bei Messabweichungen zwischen Multimetern, und zur Abnahmeprüfung von Anlagen mit vielen nichtlinearen Verbrauchern.

OberschwingungenTHDHarmonischeNeutralleiterVerdrosselungNetzqualität

Diesen Inhalt teilen

Passende Rechner

THD-OberschwingungsrechnerNetzqualitäts-Analyse

Referenztabellen

Oberschwingungen Grenzwerte

Verwandte Artikel

Das Ohmsche Gesetz verstehenElektrische Leistung berechnenWechselstrom verstehenDrehstrom erklärtEN 50160 Netzqualität
Alle Grundlagen-Tutorials →
Inhalt