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Schutzklassen elektrischer Geräte

Die Schutzklassen I, II und III: Bedeutung, Kennzeichnung und richtige Anwendung bei der Elektroinstallation.

📖 7 Min. Lesezeit📅 Aktualisiert: 2026-02-04

Einführung

Die Schutzklasse eines elektrischen Geräts beschreibt, wie der Schutz gegen elektrischen Schlag bei einem internen Isolationsfehler gewährleistet wird. Sie ist ein wichtiges Sicherheitsmerkmal und beeinflusst die Anforderungen an die Installation.

Jeder Elektriker muss die Schutzklassen kennen, um Geräte korrekt anzuschließen und die richtige Schutzmaßnahme zu wählen.

Übersicht der Schutzklassen

Schutzklasse I – Schutzerdung

Symbol: Erdungszeichen (⏚)

  • Metallgehäuse ist mit dem Schutzleiter (PE) verbunden
  • Bei einem Isolationsfehler fließt der Fehlerstrom über PE ab
  • Abschaltung durch Überstromschutz oder RCD
  • Benötigt Schutzkontaktsteckdose

Beispiele: Waschmaschine, Kühlschrank, Bohrmaschine, Metalllampen

Schutzklasse II – Schutzisolierung

Symbol: Doppeltes Quadrat (⧈)

  • Verstärkte oder doppelte Isolierung
  • Kein Schutzleiteranschluss erforderlich
  • Metallteile sind durch Isolierung geschützt
  • Kann an Steckdose ohne Schutzkontakt betrieben werden (in DE aber nicht üblich)

Beispiele: Laptop-Netzteile, Haartrockner, Rasierer, viele Elektrowerkzeuge

Schutzklasse III – Schutzkleinspannung

Symbol: Drei horizontale Balken (☰ oder III)

  • Betrieb mit SELV oder PELV (≤50 V AC / 120 V DC)
  • Spannung selbst ist ungefährlich
  • Kein Schutzleiter, keine zusätzliche Isolierung nötig
  • Typischerweise über Schutztrafo oder Akkubetrieb

Beispiele: LED-Leuchten (12 V), Akkuwerkzeuge, Spielzeug, Rasierer mit Akku

Schutzklasse 0 – Historisch

Nicht mehr zulässig in Europa!

  • Nur Basisisolierung, kein Schutzleiter
  • War bei alten Geräten üblich
  • Heute nur noch in speziellen Bereichen (Labore) erlaubt

Unterschied Schutzklasse vs. Schutzart (IP)

EigenschaftSchutzklasseSchutzart (IP)
Schützt vorElektrischem SchlagFremdkörpern und Wasser
KennzeichnungSymbol/Klasse I-IIIIP-Code (z.B. IP44)
NormungDIN EN 61140DIN EN 60529

Beide Angaben ergänzen sich und sind unabhängig voneinander!

Schritt-für-Schritt

  1. 1Schutzklasse am Typenschild oder in der Anleitung ablesen
  2. 2Symbol erkennen: (⏚) = I, (⧈) = II, (III) = III
  3. 3Bei Schutzklasse I: Schutzkontaktsteckdose verwenden
  4. 4Bei Schutzklasse II: Keine besonderen Anforderungen
  5. 5Bei Schutzklasse III: Passende Kleinspannungsquelle bereitstellen
  6. 6Bei Metallgehäusen ohne Kennzeichnung: Vorsicht! Ggf. Schutzklasse 0

Praktische Beispiele

1

Waschmaschine anschließen

Aufgabe

Eine Waschmaschine mit Metallgehäuse trägt das Erdungssymbol. Welche Schutzmaßnahmen sind erforderlich?

Lösung

  1. 1Erdungssymbol (⏚) → Schutzklasse I
  2. 2Gerät benötigt funktionierenden Schutzleiter (PE)
  3. 3Anschluss nur an Schutzkontaktsteckdose
  4. 4RCD-Schutz für Waschmaschinen in Bädern nach VDE vorgeschrieben
  5. 5PE-Anschluss auf korrekten Sitz prüfen

Schutzkontaktsteckdose mit RCD-Schutz verwenden.

2

LED-Trafo installieren

Aufgabe

Eine LED-Beleuchtung arbeitet mit 12 V DC. Welche Schutzklasse hat das System?

Lösung

  1. 112 V DC ist Schutzkleinspannung (SELV)
  2. 2Das Gesamtsystem ist Schutzklasse III
  3. 3Der vorgeschaltete Trafo/Netzteil kann Schutzklasse I oder II sein
  4. 4Auf der Sekundärseite (12 V) ist kein Schutzleiter erforderlich
  5. 5Sichere Trennung zwischen 230 V und 12 V Seite muss gewährleistet sein

Schutzklasse III – kein Schutzleiter auf 12 V-Seite erforderlich.

Normative Grundlagen

DIN EN 61140: Schutz gegen elektrischen Schlag – gemeinsame Anforderungen für Anlagen und Betriebsmittel

DIN VDE 0100-410: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag

Die Schutzklasse muss auf dem Typenschild oder in der Betriebsanleitung angegeben sein.

⚠️Häufige Fehler vermeiden

  • Schutzklasse mit Schutzart (IP-Schutz) verwechseln
  • Schutzklasse I an Steckdose ohne PE anschließen
  • Bei Schutzklasse II den PE aus Unkenntnis anklemmen (unnötig, aber nicht gefährlich)
  • LED-SELV-Systeme mit 230 V-Teilen verbinden
  • Alte Geräte ohne Schutzklasse/Schutzleiter weiterverwenden

📋Zusammenfassung

Die Schutzklasse beschreibt den Schutz gegen elektrischen Schlag:

Schutzklasse I – Schutzerdung (⏚)

  • Metallgehäuse mit PE verbunden
  • Benötigt Schutzkontakt-Steckdose

Schutzklasse II – Schutzisolierung (⧈)

  • Doppelte/verstärkte Isolierung
  • Kein Schutzleiter erforderlich

Schutzklasse III – Schutzkleinspannung (III)

  • Betrieb mit SELV/PELV (≤50 V AC)
  • Spannung selbst ungefährlich

Häufig gestellte Fragen

Nein, absolut nicht! Bei einem Isolationsfehler würde das Metallgehäuse unter Spannung stehen, ohne dass eine Abschaltung erfolgt. Dies ist lebensgefährlich und verstößt gegen VDE und Arbeitsschutzvorschriften.

Laptop-Netzteile sind in der Regel Schutzklasse II (doppelte Isolierung). Sie benötigen keinen Schutzleiter und können mit einem 2-poligen "Euro-Stecker" betrieben werden. Das Metallgehäuse des Laptops ist durch die Isolierung im Netzteil geschützt.

SELV (Safety Extra Low Voltage) ist sicher getrennt vom Netz und nicht geerdet. PELV (Protective Extra Low Voltage) ist ebenfalls sicher getrennt, darf aber geerdet sein. Beide sind Schutzkleinspannungen (≤50 V AC), wobei SELV in besonders gefährdeten Bereichen (Bad) vorgeschrieben sein kann.

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