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Transformatoren Grundlagen

Funktionsprinzip, Bauarten und Berechnung von Transformatoren in der Elektrotechnik.

📖 11 Min. Lesezeit📅 Aktualisiert: 2026-02-04

Formelübersicht

Übersetzungsverhältnisü = N₁/N₂ = U₁/U₂ = I₂/I₁

Verhältnis der Windungen, Spannungen und Ströme

ü=ÜbersetzungsverhältnisN₁, N₂=WindungszahlenU₁, U₂=Spannungen in VI₁, I₂=Ströme in A
ScheinleistungS = U × I

Die Scheinleistung bleibt im idealen Trafo erhalten

S=Scheinleistung in VA

Einführung

Der Transformator ist eines der wichtigsten Bauelemente in der Elektrotechnik. Er ermöglicht die verlustarm Übertragung elektrischer Energie über weite Strecken und die Anpassung von Spannungsniveaus für verschiedene Anwendungen.

Das Prinzip beruht auf der elektromagnetischen Induktion: Ein wechselndes Magnetfeld in der Primärwicklung induziert eine Spannung in der Sekundärwicklung.

Funktionsprinzip

    U₁ ─┬─────┐         ┌─────┬─ U₂
        │     │    Φ    │     │
       N₁   ┌─┴─────────┴─┐   N₂
        │   │   Eisenkern  │   │
        │   └─────────────┘   │
    ────┴─────────────────────┴────

Grundgleichungen (idealer Transformator):

  • Spannungsverhältnis: U₁/U₂ = N₁/N₂ = ü
  • Stromverhältnis: I₁/I₂ = N₂/N₁ = 1/ü
  • Leistungserhaltung: S₁ = S₂ (verlustfrei)

Bauarten

Nach Kernform:

  • Kerntyp: Wicklungen auf getrennten Schenkeln
  • Manteltyp: Beide Wicklungen auf einem Schenkel
  • Ringkern: Toroidaler Kern, geringe Streuung

Nach Anwendung:

TypLeistungAnwendung
Kleintransformatorbis 1 kVANetzteile, Beleuchtung
Verteiltransformator100-2500 kVANiederspannungsversorgung
Leistungstransformator> 2500 kVAÜbertragungsnetze
SpartransformatorvariabelSpannungsregelung
TrenntransformatorvariabelSchutztrennung

Verluste und Wirkungsgrad

Eisenverluste (Leerlaufverluste)

  • Hystereseverluste: Ummagnetisierung des Kerns
  • Wirbelstromverluste: Induzierte Ströme im Kern
  • Unabhängig von der Last
  • P_Fe ≈ 0,2-1% der Nennleistung

Kupferverluste (Lastverluste)

  • Ohmsche Verluste in den Wicklungen: P_Cu = I² × R
  • Proportional zum Quadrat des Laststroms

Wirkungsgrad

η = P₂ / P₁ = P₂ / (P₂ + P_Fe + P_Cu)

Typische Wirkungsgrade:

  • Kleintrafos (10 VA): 85-90%
  • Verteiltrafos (400 kVA): 98-99%
  • Netztrafos (MVA): 99,5%+

Kurzschlussspannung u_k

Die Kurzschlussspannung gibt an, welche Primärspannung nötig ist, um bei kurzgeschlossener Sekundärwicklung den Nennstrom fließen zu lassen.

u_k = U_k / U_N × 100%

Typische Werte:

  • Kleintrafos: 3-5%
  • Verteiltrafos: 4-6%
  • Große Netztrafos: 10-15%

Schritt-für-Schritt

  1. 1Benötigte Sekundärspannung und -leistung ermitteln
  2. 2Übersetzungsverhältnis berechnen: ü = U₁/U₂
  3. 3Nennstrom und Scheinleistung bestimmen
  4. 4Passenden Trafo aus Katalog wählen
  5. 5Absicherung auf Sekundärseite dimensionieren
  6. 6Schutzmaßnahmen nach VDE beachten (Trenntrafos etc.)

Praktische Beispiele

1

Übersetzungsverhältnis berechnen

Aufgabe

Ein Trafo soll 230 V auf 24 V umspannen. Wie groß ist das Übersetzungsverhältnis?

Lösung

  1. 1Gegeben: U₁ = 230 V, U₂ = 24 V
  2. 2Übersetzungsverhältnis: ü = U₁ / U₂
  3. 3ü = 230 / 24 = 9,58
  4. 4Rundung: ü ≈ 9,6 : 1

Das Übersetzungsverhältnis beträgt etwa 9,6 : 1.

2

Sekundärstrom bei bekannter Last

Aufgabe

Ein 230/24 V Trafo mit 100 VA versorgt eine Last. Wie hoch ist der maximale Sekundärstrom?

Lösung

  1. 1Gegeben: S = 100 VA, U₂ = 24 V
  2. 2Strom: I₂ = S / U₂
  3. 3I₂ = 100 / 24 = 4,17 A
  4. 4Primärstrom: I₁ = S / U₁ = 100 / 230 = 0,43 A

Der maximale Sekundärstrom beträgt 4,17 A.

Normative Grundlagen

DIN EN 61558: Sicherheit von Transformatoren, Netzgeräten und ähnlichen Geräten

DIN VDE 0570: Nationale Ergänzungen zu Sicherheitsnormen

Der Trenntransformator nach VDE bietet Schutztrennung: Die Sekundärseite hat keinen Bezug zur Erde, wodurch bei einem einfachen Körperschluss kein gefährlicher Strom fließen kann.

⚠️Häufige Fehler vermeiden

  • Scheinleistung (VA) mit Wirkleistung (W) verwechseln
  • Primär- und Sekundärseite beim Anschluss vertauschen
  • Trafo ohne Überlastschutz betreiben
  • Gleichspannung an Trafo anlegen → zerstört Wicklung!
  • Trenntrafos mit anderen Stromkreisen verbinden

📋Zusammenfassung

Der Transformator wandelt Spannung und Strom um:

Grundformeln:

  • ü = N₁/N₂ = U₁/U₂ = I₂/I₁
  • S₁ = S₂ (Leistungserhaltung)

Verluste:

  • Eisenverluste (lastunabhängig)
  • Kupferverluste (lastabhängig, ∝ I²)

Bauarten:

  • Kern-, Mantel-, Ringkerntrafo
  • Trenntransformator (Schutztrennung)
  • Spartransformator (galvanische Verbindung)

Häufig gestellte Fragen

Das Summen entsteht durch Magnetostriktion: Der Eisenkern verformt sich minimal im Takt der Netzfrequenz (50 Hz). Das Geräusch hat 100 Hz (doppelte Frequenz, da die Verformung bei jeder Halbwelle erfolgt). Hochwertige Trafos werden vergossen oder haben besser verschraubte Kerne.

Bedingt. Bei gleicher Spannung fließt bei 50 Hz ein höherer Magnetisierungsstrom, der Kern wird stärker gesättigt und der Trafo erwärmt sich mehr. Umgekehrt (50 Hz Trafo an 60 Hz) ist meist problemlos möglich.

Ein Spartransformator hat nur eine Wicklung mit Anzapfung. Primär- und Sekundärseite sind galvanisch verbunden. Vorteil: Kleiner und günstiger. Nachteil: Keine galvanische Trennung, daher nicht für Schutztrennung geeignet.

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