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VDE-NormenguidesFortgeschritten

TAR Niederspannung (VDE-AR-N 4100)

Technische Anschlussregeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz – Pflichten, Zählerplatz, SLS und Erzeugungsanlagen.

12 Min. LesezeitAktualisiert: 09.02.2026

Einführung

Die Technischen Anschlussregeln Niederspannung (TAR NS) – veröffentlicht als VDE-AR-N 4100 – regeln den Anschluss von Kundenanlagen an das öffentliche Niederspannungsnetz. Sie definieren die technischen Mindestanforderungen, die an der Schnittstelle zwischen Netzbetreiber und Kunde einzuhalten sind.

Seit 2019 ersetzen die TAR die früheren TAB (Technische Anschlussbedingungen), die regional durch die einzelnen Netzbetreiber erlassen wurden. Die TAR bieten erstmals einen bundesweit einheitlichen Standard – ergänzt durch netzbetreiberspezifische Konkretisierungen.

Für Elektrofachkräfte ist die Kenntnis der TAR bei jeder Neuinstallation, Erweiterung oder Änderung einer Kundenanlage unerlässlich.

Aufbau und Geltungsbereich

Anwendungsbereich

Die TAR Niederspannung gilt für:

  • Neuanschlüsse an das Niederspannungsnetz (230/400 V)
  • Erweiterung und Änderung bestehender Anschlüsse
  • Einspeisung aus Erzeugungsanlagen (PV, BHKW)
  • Speichersysteme mit Netzanbindung

Abgrenzung Netzbetreiber – Kunde

         Netz des VNB              │       Kundenanlage
                                   │
  ═══════════════════════════════   │   ═════════════════════════
  Trafostation → Kabel → HAK  │   │   → Zählerplatz → UV → Verbraucher
                               │   │
                         Übergabe-  │
                         punkt      │
                                   │
  Verantwortung: Netzbetreiber     │   Verantwortung: Anlagenbetreiber
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Anmeldung und Inbetriebsetzung

Ablauf

SchrittBeschreibungVerantwortlicher
1. NetzanschlussantragLeistungsbedarf, Standort, PlanunterlagenAnlagenbetreiber
2. NetzanschlussvertragTechnische und wirtschaftliche BedingungenVNB
3. ErrichtungZählerplatz, Hauptleitung, KundenanlageInstallationsunternehmen
4. InbetriebsetzungsauftragAntrag auf Zählereinbau und EinschaltungElektrofachkraft
5. ZählermontageMesseinrichtung setzenVNB / MSB
6. InbetriebsetzungErstprüfung, EinschaltungElektrofachkraft

Zuständiges Installationsunternehmen

Nur ein beim Netzbetreiber eingetragenes Installationsunternehmen darf:

  • Arbeiten am Netzanschluss durchführen
  • Inbetriebsetzung beantragen
  • Fertigstellungsanzeige erstatten

Zählerplatz

Anforderungen nach VDE-AR-N 4100

AnforderungWert / Beschreibung
SchutzartMindestens IP31 (Innenraum)
ZugangJederzeit zugänglich für VNB/MSB
BemessungsstromMindestens 63 A
KurzschlussfestigkeitJe nach Netzparametern (vom VNB)
PlombierungVorschriftsgemäße Plombierbarkeit
AufbauNach DIN VDE 0603

Aufbau Zählerplatz

┌─────────────────────────────────────────┐
│              ZÄHLERSCHRANK              │
│                                         │
│  ┌──────────┐  ┌──────────┐            │
│  │   SLS    │  │   SLS    │  ← Selektiver │
│  │ (63 A)   │  │ (63 A)   │    Hauptleitungs- │
│  └──────────┘  └──────────┘    schutzschalter │
│                                         │
│  ┌──────────┐  ┌──────────┐            │
│  │  Zähler  │  │  Zähler  │  ← Moderne │
│  │  (mME)   │  │  (mME)   │    Messeinrichtung │
│  └──────────┘  └──────────┘            │
│                                         │
│  ┌──────────────────────────┐          │
│  │    Überstromschutzorgan   │  ← Vor-  │
│  │    (Hauptsicherung)      │    sicherung │
│  └──────────────────────────┘          │
│                                         │
└─────────────────────────────────────────┘
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SLS – Selektiver Hauptleitungsschutzschalter

Eigenschaften

EigenschaftBeschreibung
FunktionSelektiver Kurzschluss- und Überlastschutz
AuslösecharakteristikE-Charakteristik (selektiv zu LS)
Nennströme25, 35, 50, 63 A
PlombierbarkeitJa (VNB-Zugriff)
SchaltvermögenMindestens 25 kA

SLS vs. LS-Schalter

LS B16:           SLS E63:
Schnellauslösung  Verzögerte Auslösung
3-5 × In          8-14 × In
────────────      ────────────
→ Schnell          → Selektiv

Bei Kurzschluss: LS löst VOR dem SLS aus
→ Selektivität gewährleistet!
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Erzeugungsanlagen und Speicher

Anforderungen für PV-Anlagen

  • Anmeldung beim Netzbetreiber (Pflicht)
  • Eintragung im Marktstammdatenregister
  • NA-Schutz (Netz- und Anlagenschutz)
  • Blindleistungsbereitstellung nach VDE-AR-N 4105
  • Zentraler NA-Schutz ab 30 kVA

NA-Schutz

ParameterEinstellung
Überfrequenzf> = 51,5 Hz → Abschaltung ≤ 100 ms
Unterfrequenzf< = 47,5 Hz → Abschaltung ≤ 100 ms
ÜberspannungU> = 1,10 × Un → Abschaltung ≤ 100 ms
UnterspannungU< = 0,80 × Un → Abschaltung ≤ 3 s

Überspannungsschutz

Pflicht nach TAR

Ab 2019 ist ein Überspannungsschutz (SPD) mindestens Typ 2 am Gebäudeeintritt Pflicht:

SPD-TypEinbauortPrüfstrom
Typ 1HAK / Zählerplatz12,5 kA (10/350 µs)
Typ 2Zählerplatz / UV20 kA (8/20 µs)
Typ 3Endstromkreise5 kA (8/20 µs)

Schritt-für-Schritt

  1. 1Leistungsbedarf der Kundenanlage ermitteln
  2. 2Netzanschlussantrag beim zuständigen VNB stellen
  3. 3Zählerplatz nach VDE-AR-N 4100 und DIN VDE 0603 planen
  4. 4SLS-Bemessungsstrom mit VNB abstimmen
  5. 5Überspannungsschutz (mindestens Typ 2) vorsehen
  6. 6Bei Erzeugungsanlagen: NA-Schutz und VDE-AR-N 4105 beachten
  7. 7Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 durchführen
  8. 8Inbetriebsetzungsauftrag an VNB stellen

Praktische Beispiele

1

Einfamilienhaus – Neuanschluss

Aufgabe

Ein Einfamilienhaus (Wärmepumpe, E-Auto-Wallbox, PV-Anlage) soll an das Niederspannungsnetz angeschlossen werden.

Lösung

  1. 1Gleichzeitigkeitsfaktor berechnen: Wärmepumpe 5 kW + Wallbox 11 kW + Haushalt 8 kW
  2. 2Leistungsbedarf: ca. 24 kW → Bemessungsstrom Ia = 24.000 / (√3 × 400) ≈ 35 A
  3. 3SLS: 63 A (Standardgröße, Reserve für Zukunft)
  4. 4Zählerplatz: 1 Zähler (Bezug) + Wandlerfeld für PV
  5. 5Überspannungsschutz Typ 2 im Zählerplatz
  6. 6PV-Anlage: Anmeldung VNB + Marktstammdatenregister + NA-Schutz
  7. 7Wallbox: Anmeldung beim VNB (ab 11 kW Genehmigungspflicht)

Netzanschluss mit SLS E63, Zählerplatz mit SPD Typ 2, PV-Anlage mit NA-Schutz nach VDE-AR-N 4105.

2

Gewerbe – Leistungserhöhung

Aufgabe

Ein Handwerksbetrieb benötigt einen zusätzlichen Drehstromanschluss für eine CNC-Maschine (15 kW).

Lösung

  1. 1Aktueller Anschluss: SLS E63 → Reserve prüfen
  2. 2Zusätzlicher Bedarf: 15 kW → ca. 22 A (Drehstrom)
  3. 3Bestehende Last ermitteln (Lastgangdaten oder Messung)
  4. 4Falls SLS E63 ausreicht: Änderungsanzeige beim VNB
  5. 5Falls Überlast: Antrag auf Leistungserhöhung
  6. 6Ggf. Netzverträglichkeitsprüfung durch VNB
  7. 7Zählerplatz anpassen, Unterverteilung erweitern

Änderungsanzeige oder Leistungserhöhung beim VNB, Anpassung des Zählerplatzes.

Normative Grundlagen

VDE-AR-N 4100: Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz

VDE-AR-N 4105: Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz (für PV, BHKW)

DIN VDE 0603: Installationsverteiler und Zählerplätze

DIN VDE 0100-600: Erstprüfung elektrischer Anlagen

NAV (Niederspannungsanschlussverordnung): Gesetzliche Grundlage für Netzanschlüsse

Wichtig: Die TAR werden durch netzbetreiberspezifische Ergänzungen konkretisiert. Immer die Vorgaben des zuständigen VNB prüfen!

Häufige Fehler vermeiden

  • ✗Netzanschlussantrag zu spät gestellt – Verzögerung um Wochen
  • ✗Zählerplatz nicht nach aktueller VDE-AR-N 4100 ausgeführt
  • ✗SLS-Bemessungsstrom nicht mit VNB abgestimmt
  • ✗Überspannungsschutz vergessen (seit 2019 Pflicht!)
  • ✗PV-Anlage nicht im Marktstammdatenregister eingetragen

Zusammenfassung

TAR Niederspannung – Kernpunkte:

Geltung: VDE-AR-N 4100, bundesweit einheitlich seit 2019

Zählerplatz:

  • SLS (selektiver Hauptleitungsschutzschalter)
  • Moderne Messeinrichtung (Smart Meter)
  • Überspannungsschutz Typ 2 (Pflicht!)
  • Aufbau nach DIN VDE 0603

Erzeugungsanlagen:

  • Anmeldung VNB + Marktstammdatenregister
  • NA-Schutz (Netz- und Anlagenschutz)
  • Blindleistungsbereitstellung

Ablauf: Antrag → Vertrag → Errichtung → Prüfung → Inbetriebsetzung

Häufig gestellte Fragen

Die TAR (Technische Anschlussregeln) nach VDE-AR-N 4100 ersetzen seit 2019 die früheren TAB (Technische Anschlussbedingungen). Der Hauptunterschied: Die TAB waren regional unterschiedlich und wurden von jedem Netzbetreiber separat erlassen. Die TAR sind bundesweit einheitlich – ergänzt durch netzbetreiberspezifische Konkretisierungen. In der Praxis sprechen viele noch von „TAB", meinen aber die TAR.

Der SLS ist der Standard nach aktueller VDE-AR-N 4100 und wird in neuen Zählerplätzen verbaut. Er bietet selektiven Schutz mit E-Charakteristik und ist plombierbar. NH-Sicherungen finden sich noch in Bestandsanlagen und bei sehr hohen Bemessungsströmen (>63 A). Bei Neuinstallationen wird grundsätzlich der SLS gefordert – die genauen Anforderungen gibt der zuständige Netzbetreiber vor.

Ja, jede Erzeugungsanlage muss vor Inbetriebsetzung beim Netzbetreiber angemeldet werden. Zusätzlich ist die Registrierung im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur gesetzlich vorgeschrieben (§ 5 MaStRV). Bei Versäumnis droht der Verlust der Einspeisevergütung. Ab 30 kVA Anschlussleistung ist zudem ein zentraler Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz) erforderlich.

TAR NiederspannungVDE-AR-N 4100ZählerplatzSLSNetzanschlussKundenanlage

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