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Startseite/Ratgeber/VDE-Normenguides/DIN VDE 0100-430 – Überstromschutz
VDE-NormenguidesFortgeschritten

DIN VDE 0100-430 – Überstromschutz

Schutz bei Überstrom – Leitungsschutz, Kurzschlussschutz und Überlastschutz nach VDE.

15 Min. LesezeitAktualisiert: 06.02.2026

Formelübersicht

Überlastschutz-BedingungI_B ≤ I_N ≤ I_Z

Betriebsstrom ≤ Nennstrom ≤ Belastbarkeit

I_B=Betriebsstrom in AI_N=Nennstrom Schutzgerät in AI_Z=Strombelastbarkeit Leitung in A
Kurzschlussschutz-BedingungI²t ≤ k²S²

Durchlassenergie ≤ Leitungsbelastbarkeit

I²t=Durchlassenergie in A²sk=MaterialkonstanteS=Leiterquerschnitt in mm²

Einführung

DIN VDE 0100-430 regelt den Schutz von Kabeln und Leitungen bei Überstrom. Sie definiert die Anforderungen an Überlast- und Kurzschlussschutz und ist fundamental für die sichere Dimensionierung elektrischer Anlagen.

Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Anforderungen und gibt praktische Hinweise für die Anwendung.

Überstromarten

Überlast I > I_Z (langsam) Kurzschluss I >> I_Z (sehr schnell)

Überlast

  • Strom übersteigt Dauerbelastbarkeit der Leitung
  • Entsteht durch zu viele Verbraucher
  • Erwärmung über längeren Zeitraum
  • Schutzgerät muss rechtzeitig abschalten

Kurzschluss

  • Direkter Kontakt zwischen aktiven Leitern
  • Sehr hohe Ströme (kA-Bereich)
  • Sofortige Abschaltung erforderlich
  • Lichtbogen- und Brandgefahr

Überlastschutz

Bedingungen nach VDE 0100-430

Bedingung 1: I_B ≤ I_N ≤ I_Z

SymbolBedeutung
I_BBetriebsstrom (bestimmungsgemäß)
I_NNennstrom des Schutzgeräts
I_ZStrombelastbarkeit der Leitung

Bedingung 2: I_2 ≤ 1,45 × I_Z

SymbolBedeutung
I_2Auslösestrom des Schutzgeräts
1,45Sicherheitsfaktor

Auslöseströme bei LS-Schaltern

KennlinieKonventioneller Auslösestrom I_2
B1,45 × I_N
C1,45 × I_N
D1,45 × I_N

Hinweis: Bei NH-Sicherungen ist I_2 = 1,6 × I_N, daher: I_N ≤ I_Z / 1,1

Kurzschlussschutz

Energiebegrenzung

Die Schutzeinrichtung muss den Kurzschluss abschalten, bevor die Leitung Schaden nimmt:

I²t ≤ k²S²

Materialk-Wert
Cu, PVC-isoliert115
Cu, XLPE-isoliert143
Al, PVC-isoliert76
Al, XLPE-isoliert94

Schutz an jeder Stelle

PositionAnforderung
LeitungsanfangKurzschlussschutz erforderlich
LeitungsendeMindest-Kurzschlussstrom ausreichend

Ausnahmen vom Überlastschutz

Überlastschutz kann entfallen, wenn:

SituationBedingung
Feste LastKeine Überlast möglich
Vorgeschalteter SchutzVorsicherung schützt mit
SignalleitungenNiedrige Ströme

Selektivität

Bei Hintereinanderschaltung von Schutzgeräten:

KonzeptBeschreibung
Volle SelektivitätNur fehlernahes Gerät schaltet ab
TeilselektivitätSelektiv bis zu einem Grenzstrom I_s
Back-up-SchutzVorgeschaltetes Gerät unterstützt

Schutzgerätezuordnung

LeitungsquerschnittTypische Absicherung
1,5 mm² Cu10-16 A
2,5 mm² Cu16-20 A
4 mm² Cu25-32 A
6 mm² Cu32-40 A
10 mm² Cu50-63 A

Schritt-für-Schritt

  1. 1Betriebsstrom I_B ermitteln
  2. 2Verlegeart und I_Z bestimmen
  3. 3Schutzgerät I_N wählen (I_B ≤ I_N ≤ I_Z)
  4. 4Bedingung I_2 ≤ 1,45 × I_Z prüfen
  5. 5Kurzschlussschutz verifizieren
  6. 6Selektivität zur Vorsicherung prüfen

Praktische Beispiele

1

LS-Auswahl für Steckdosenstromkreis

Aufgabe

Ein Stromkreis mit 2,5 mm² Leitung (Verlegeart B2) soll abgesichert werden.

Lösung

  1. 1I_Z = 18,5 A (Tabelle VDE 0298)
  2. 2Bedingung 1: I_N ≤ I_Z → I_N ≤ 18,5 A
  3. 3Wahl: LS B16 (I_N = 16 A)
  4. 4Bedingung 2: I_2 = 1,45 × 16 = 23,2 A
  5. 5Prüfung: 23,2 A ≤ 1,45 × 18,5 = 26,8 A ✓

LS B16 ist normgerecht für 2,5 mm² in Verlegeart B2.

Normative Grundlagen

DIN VDE 0100-430: Schutz bei Überstrom

DIN VDE 0100-520: Auswahl und Errichtung – Kabel und Leitungen

DIN VDE 0298-4: Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen

Wichtige Festlegungen:

  • Überlast- und Kurzschlussschutz-Bedingungen
  • Zuordnung Schutzgerät zu Leitung
  • Ausnahmen und Sonderfälle

Häufige Fehler vermeiden

  • ✗I_Z-Wert für falsche Verlegeart verwendet
  • ✗Häufungsfaktor nicht berücksichtigt
  • ✗NH-Sicherung ohne Reduktion (1,1-Faktor)
  • ✗Kurzschlussschutz am Leitungsende nicht geprüft
  • ✗Überlastschutz bei fester Last vergessen

Zusammenfassung

DIN VDE 0100-430 – Zusammenfassung:

Überlastschutz:

  • I_B ≤ I_N ≤ I_Z
  • I_2 ≤ 1,45 × I_Z

Kurzschlussschutz:

  • I²t ≤ k²S²
  • k_Cu = 115 (PVC)

Typische Zuordnung:

QuerschnittAbsicherung
1,5 mm²10-16 A
2,5 mm²16-20 A
4 mm²25-32 A

Häufig gestellte Fragen

NH-Sicherungen haben einen konventionellen Auslösestrom von 1,6 × I_N (statt 1,45 × I_N bei LS). Damit die Bedingung I_2 ≤ 1,45 × I_Z erfüllt ist, muss gelten: 1,6 × I_N ≤ 1,45 × I_Z, also I_N ≤ I_Z / 1,1. Dies ist der sogenannte "gG-Faktor".

Überlastschutz kann entfallen bei: 1. Fest angeschlossenen Verbrauchern ohne Überlastmöglichkeit, 2. Leitungen, die durch vorgeschalteten Schutz bereits geschützt sind, 3. Signalleitungen mit sehr geringen Strömen. Der Kurzschlussschutz ist aber immer erforderlich!

Der Kurzschlussschutz muss an jeder Stelle der Leitung wirksam sein. Am Leitungsanfang ist der Kurzschlussstrom am höchsten, am Leitungsende am niedrigsten. Der Schutz muss auch am Ende noch funktionieren, d.h. der minimale Kurzschlussstrom muss die Abschaltbedingung erfüllen.

ÜberstromschutzÜberlastschutzKurzschlussschutzVDE 0100-430Leitungsschutz

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