Abschaltzeit-Rechner
Prüfen Sie ob die Schutzeinrichtung innerhalb der geforderten Zeit abschaltet. Mit Schleifenimpedanz, Fehlerstrom und Auslösecharakteristik.
Abschaltbedingung nach VDE 0100-410
Bei einem Körperschluss muss die Schutzeinrichtung schnell genug abschalten, um gefährliche Berührungsspannungen zu begrenzen.
Geforderte Abschaltzeiten
| Stromkreis-Typ | Max. Abschaltzeit | Bemerkung |
|---|---|---|
| Endstromkreise ≤ 32 A | 0.4 s | Personenschutz |
| Verteiler-Zuleitungen | 5 s | Nur bei Fachpersonal-Zugang |
| Schutz durch RCD | 0.3 s | Für 30 mA RCD |
| TT-System alle Kreise | 0.2 s | Strengere Anforderung |
Berechnungsformel
Ia = U₀ / Zs ≥ Ia_erforderlich
Mit Spannungsreserve:
Ia = 0.8 × U₀ / Zs_gemessen
Maximale Schleifenimpedanz nach Schutzgerät
| Schutzgerät | Auslösestrom | Zs_max (230V, 0.4s) |
|---|---|---|
| B 6 A | 5×In = 30 A | 7.67 Ω |
| B 10 A | 50 A | 4.60 Ω |
| B 13 A | 65 A | 3.54 Ω |
| B 16 A | 80 A | 2.88 Ω |
| B 20 A | 100 A | 2.30 Ω |
| B 32 A | 160 A | 1.44 Ω |
| C 16 A | 10×In = 160 A | 1.44 Ω |
| C 32 A | 320 A | 0.72 Ω |
Praxisfaktor 0.8
Der Messwerst bei der Erstprüfung muss mit Faktor 0.8 multipliziert werden:
| Faktor | Grund |
|---|---|
| 0.8 (Spannung) | Netzspannung kann 10% unter Nennwert liegen |
| 0.8 (Messung) | Leitungserwärmung bei Betriebstemperatur |
| Ergebnis | Zs_gemessen × 1.25 muss ≤ Zs_max sein |
Anwendungsbereiche
- Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600
- Wiederkehrende Prüfung nach DIN VDE 0105-100
- Nachweis der Abschaltbedingung
- Fehlersuche bei Ausfällen
- Dokumentation im Prüfprotokoll
- Planung bei langen Leitungen
Häufig gestellte Fragen
Der Faktor berücksichtigt zwei ungünstige Fälle gleichzeitig: (1) Die Netzspannung kann bis zu 10% unter Nennwert liegen (207 V statt 230 V), (2) Die Leitung erwärmt sich im Betrieb auf 70°C, wodurch der Widerstand um ca. 20% steigt. Zusammen ergibt dies den Sicherheitsfaktor 0.8 × 0.8 ≈ 0.64, vereinfacht auf 0.8.
Mögliche Lösungen: (1) RCD 30 mA nachschalten – dieser schaltet immer in <0.3 s bei Körperschluss, (2) Größeren Querschnitt wählen, um Zs zu reduzieren, (3) Unterverteiler näher am Verbraucher installieren, (4) Anderen Automatentyp (B statt C) verwenden wenn technisch möglich.
Nein! Für Verteilerzuleitungen und Hauptleitungen gilt 5 s, sofern der Zugang nur Fachpersonal vorbehalten ist. Begründung: Bei Fachpersonal wird keine unmittelbare Berührungsgefahr angenommen. Aber: Unterer Verteiler zu Endstromkreisen → 0.4 s gilt.
Typ B: Magnetische Schnellauslösung bei 3-5× In. Typ C: Bei 5-10× In. Typ D: Bei 10-20× In. Bei gleichem Nennstrom hat Typ B die niedrigste Auslöseschwelle und damit die höchste zulässige Schleifenimpedanz. Typ D erfordert sehr niederohmige Schleifen.
Nach VDE 0100-600: Ja, bei der Erstprüfung muss jeder Stromkreis geprüft werden. In der Praxis: Stichprobenmessung am entferntesten Punkt jedes Stromkreises. Bei wiederkehrenden Prüfungen nach DGUV Vorschrift 3 genügen oft Stichproben (min. 10%).