Selektivitäts-Koordination

Prüfen Sie die Selektivität zwischen Schutzeinrichtungen. Mit gG-Sicherung, LS-Schalter und Leistungsschalter nach VDE 0100-530.

Selektivität zwischen Schutzeinrichtungen

Selektivität bedeutet, dass bei einem Fehler nur das nächstgelegene Schutzgerät auslöst. Der Rest der Anlage bleibt in Betrieb.

Selektivitäts-Arten

ArtFunktionsprinzipAnwendung
Strom-SelektivitätUnterschiedliche AuslöseströmeVorrangig bei LS
Zeit-SelektivitätUnterschiedliche VerzögerungLeistungsschalter
Energie-Selektivität (I²t)Unterschiedliche DurchlassenergieSicherungen
Zone-Selektivität (ZSI)Kommunikation zwischen GerätenIndustrie

Selektivitätsregeln (Faustformeln)

KombinationRegelTypisch selektiv
gG – gGVerhältnis ≥ 1.6:1Ja
gG – LS (B/C)Sicherung vorgelagertMeist ja
LS – LSKaum möglichNein (beide <10 ms)
NH – LSNH ≥ 2× LS-NennstromJa
LeistungsschalterZeitstaffeln konfigurierenEinstellbar

Selektivitätstabelle gG-Sicherungen

VorgelagertNachgelagert max.
35 A20 A
50 A32 A
63 A40 A
80 A50 A
100 A63 A
125 A80 A
160 A100 A
200 A125 A
250 A160 A

Selektivitätsgrenze bei LS – gG

gG vorgelagertLS nachgelagertSelektiv bis
25 AB16 / C16~600 A
35 AB16 / C16~1.2 kA
50 AB16 / C16~2 kA
63 AB16 / C16~3 kA
100 AB16 / C16~6 kA

Anwendungsbereiche

  • Planung von Verteilern und Unterverteilern
  • Fehleranalyse bei unerwünschten Auslösungen
  • Nachrüstung bestehender Anlagen
  • Kritische Verbraucher (USV, Server)
  • Industrieanlagen mit Prozessanforderungen
  • Krankenhäuser und Sicherheitsversorgung

Häufig gestellte Fragen

Im Kurzschlussbereich lösen beide LS-Schalter im magnetischen Bereich sehr schnell aus (<10 ms). Es gibt keine nennenswerte Zeitdifferenz. Beide "sehen" denselben Kurzschlussstrom und beide lösen aus. Lösung: Vorgelagert gG-Sicherung (träger) oder Leistungsschalter mit Zeitstaffelung verwenden.

Teilselektivität bedeutet: Selektivität nur bis zu einem bestimmten Kurzschlussstrom (Selektivitätsgrenze). Darüber lösen beide Geräte aus. Beispiel: gG 63A vor LS B16 ist selektiv bis ca. 3 kA. Bei höheren Kurzschlussströmen löst auch die gG mit aus.

Hersteller veröffentlichen Selektivitätstabellen für ihre Geräte-Kombinationen. Alternativ: Kennlinien übereinanderlegen – wo sie sich schneiden, endet die Selektivität. Professionelle Software (z.B. Simaris, DOC) berechnet dies automatisch.

Nein! Teilselektivität ist oft akzeptabel, wenn die Selektivitätsgrenze über dem erwarteten Kurzschlussstrom am Einbauort liegt. Beispiel: Selektivitätsgrenze 3 kA, max. Kurzschlussstrom 2 kA → ausreichend. Volle Selektivität ist nur bei kritischen Anlagen (Krankenhaus, Produktion) gefordert.

I²t (Durchlassenergie) ist das Maß für die Energie, die ein Schutzgerät bei Kurzschluss durchlässt. Wenn das vorgelagerte Gerät mehr I²t benötigt zum Auslösen als das nachgelagerte durchlässt, ist Selektivität gegeben. Typisch bei Sicherungen (gG): langsames Schmelzen = hohes I²t.