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VDE-NormenguidesFortgeschritten

DIN VDE 0100-722: E-Fahrzeug-Ladestationen

Elektrische Anforderungen für Wallboxen und Ladesäulen – Absicherung, RCD und Zählerplatz.

13 Min. LesezeitAktualisiert: 04.02.2026

Einführung

Die Elektromobilität wächst rasant, und damit steigt der Bedarf an Ladeinfrastruktur. Die DIN VDE 0100-722 regelt die elektrischen Anforderungen für die sichere Stromversorgung von Elektrofahrzeugen.

Diese Norm gilt für alle Ladepunkte – von der einfachen Wallbox bis zur öffentlichen Schnellladesäule.

Geltungsbereich

Die Norm gilt für:

  • Ladeeinrichtungen für E-Fahrzeuge
  • Stromkreise zur Versorgung von Ladestationen
  • AC-Laden (Mode 1-3) und DC-Laden (Mode 4)

Lademodi

ModusBeschreibungLeistungAnwendung
Mode 1Direkter Anschluss (Schuko)2,3 kWNur für Leichtfahrzeuge
Mode 2Mit ICCB (In-Cable Control Box)2,3-7,4 kWNotladen
Mode 3AC über Ladestation3,7-22 kWStandard für Wallboxen
Mode 4DC-Schnellladen50-350 kWÖffentliche Säulen

Schutzmaßnahmen

RCD-Anforderungen

Nach VDE 0100-722 ist ein allstromsensitiver Fehlerstromschutz erforderlich:

RCD-TypBeschreibungAnwendung
Typ AWechselfehlerstromNICHT ausreichend
Typ BAllstromsensitiv (AC + DC)Standard für Ladepunkte
Typ A + DC-SensorTyp A mit DC 6 mA SchutzIn Wallbox integriert
EV RCDSpezieller FI für E-LadenNeuere Norm
Option 1: RCD Typ B in Verteilung
┌────────────────────────────────────────────────┐
│                   VERTEILER                    │
│                                                │
│   ┌────────────┐  ┌────────────┐              │
│   │  RCD Typ B │  │    LS      │              │
│   │   30 mA    │──│   C32      │──── Wallbox  │
│   └────────────┘  └────────────┘              │
└────────────────────────────────────────────────┘

Option 2: Wallbox mit integriertem DC-Sensor
┌────────────────────────────────────────────────┐
│                   VERTEILER                    │
│                                                │
│   ┌────────────┐  ┌────────────┐              │
│   │  RCD Typ A │  │    LS      │              │
│   │   30 mA    │──│   C32      │──── Wallbox  │
│   └────────────┘  └────────────┘      │       │
│                                       │       │
│                           ┌───────────┴─────┐ │
│                           │ integrierter    │ │
│                           │ DC 6 mA Sensor  │ │
│                           └─────────────────┘ │
└────────────────────────────────────────────────┘
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Fehlerstrom-Überwachung

Bei DC-Laden (Mode 4):

  • RCD Typ B allein nicht ausreichend
  • Spezielle Isolationsüberwachung erforderlich

Zuleitung und Absicherung

Typische Auslegung (einphasig vs. dreiphasig)

LadeleistungPhasenStromAbsicherungZuleitung
3,7 kW1×16 AC163×2,5 mm²
7,4 kW1×32 AC323×6 mm²
11 kW3×16 AC165×2,5 mm²
22 kW3×32 AC325×6 mm²

Spannungsfall

Max. zulässig: 3% nach TAB (empfohlen: ≤ 2%)

Bei 30 m Länge und 32 A:

  • 6 mm²: ca. 2,8% → an der Grenze
  • 10 mm²: ca. 1,7% → komfortabel

Zählerplatz

Bei Privatnutzung (< 11 kW)

  • Anmeldung beim Netzbetreiber erforderlich
  • Separater Zähler nicht Pflicht
  • Zähler in Wallbox möglich (MID-geeicht)

Bei Ladepunkten > 11 kW

  • Genehmigung beim Netzbetreiber erforderlich
  • Separater Zählerplatz empfohlen
  • Evtl. Lastmanagement-Anforderungen

Lastmanagement

Bei begrenzter Anschlussleistung:

┌──────────────────────────────────────────────────────┐
│                  ENERGIEMANAGER                      │
│                                                      │
│    Hausverbrauch ← Messung                          │
│         │                                            │
│    ┌────┴────┐                                      │
│    │   PV    │                                      │
│    └─────────┘                                      │
│         │                                            │
│    ┌────┴────────────┬────────────────┐             │
│    │                 │                │             │
│  Wallbox 1        Wallbox 2     Wärmepumpe         │
│  (dynamisch)      (dynamisch)                       │
└──────────────────────────────────────────────────────┘

Gesamtlast wird auf verfügbare Leistung begrenzt
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Installation

Montage

AspektAnforderung
Höhe Steckdose0,8 - 1,2 m (barrierefrei)
ZugangFrei und sicher erreichbar
StandsicherheitBei freistehender Säule
IP-SchutzartIP44 (außen IP54 empfohlen)

Erdung und Potentialausgleich

  • PE-Anschluss entsprechend Querschnitt
  • Einbindung in Potentialausgleich
  • Bei Metallgehäuse: Schutzerdung

Schritt-für-Schritt

  1. 1Ladeleistung festlegen (11 kW = Standard)
  2. 2Mit Netzbetreiber abstimmen (Anmeldung/Genehmigung)
  3. 3Zuleitung dimensionieren (Strom + Spannungsfall)
  4. 4RCD-Typ festlegen (Typ B oder integrierter DC-Sensor)
  5. 5Zählerplatz / Messung planen
  6. 6Lastmanagement prüfen (bei mehreren Ladepunkten)
  7. 7Installation nach VDE 0100-722
  8. 8Erstprüfung und Dokumentation

Praktische Beispiele

1

Wallbox 11 kW im EFH

Aufgabe

Eine 11 kW Wallbox soll in einer Garage installiert werden. Zuleitung 12 m.

Lösung

  1. 111 kW = 3× 16 A (Drehstrom)
  2. 2Anmeldung beim Netzbetreiber erforderlich
  3. 3Zuleitung: 5×2,5 mm² (bei 12 m)
  4. 4Spannungsfall: ca. 1,5% bei 16 A
  5. 5Absicherung: LS C16 3-polig
  6. 6RCD: Typ B oder Wallbox mit DC-Sensor
  7. 7IP-Schutzart: IP54 (Garage)
  8. 8Dokumentation mit Prüfprotokoll

Zuleitung 5×2,5 mm², LS C16 3-pol, RCD Typ B, Anmeldung beim NB.

2

Mehrere Ladepunkte im MFH

Aufgabe

In einer Tiefgarage (MFH) sollen 5 Ladepunkte à 11 kW installiert werden.

Lösung

  1. 15 × 11 kW = 55 kW Peak-Last
  2. 2Hausanschluss prüfen: oft nicht ausreichend
  3. 3Lösung: Lastmanagement
  4. 4Gleichzeitigkeitsfaktor: z.B. 0,5 → 27,5 kW
  5. 5Dynamisches Lastmanagement: Messung + Steuerung
  6. 6Jeder Ladepunkt: eigene RCD-Absicherung
  7. 7Genehmigung beim Netzbetreiber (> 11 kW gesamt)
  8. 8Abrechnung: Separate MID-Zähler je Ladepunkt

Lastmanagement erforderlich, dynamische Verteilung, Genehmigung bei NB, MID-Zähler.

Normative Grundlagen

DIN VDE 0100-722: Stromversorgung von E-Fahrzeugen

DIN EN IEC 61851: Elektrische Ausrüstung für Elektrofahrzeuge

TAR Niederspannung: Technische Anschlussregeln

Wichtige Festlegungen:

  • RCD mit DC-Schutz erforderlich (Typ B oder integriert)
  • Anmeldepflicht beim Netzbetreiber
  • Genehmigungspflicht > 11 kW

Häufige Fehler vermeiden

  • ✗Nur RCD Typ A installiert (DC-Schutz fehlt)
  • ✗Zuleitung zu dünn → Spannungsfall zu hoch
  • ✗Wallbox nicht beim Netzbetreiber angemeldet
  • ✗Kein Lastmanagement bei mehreren Ladepunkten
  • ✗Keine Erstprüfung dokumentiert

Zusammenfassung

VDE 0100-722 E-Laden:

Lademodi:

  • Mode 3: Standard (Wallbox)
  • Mode 4: DC-Schnellladen

Schutzmaßnahmen:

  • RCD Typ B oder
  • Typ A + DC 6 mA Sensor (in Wallbox)

Typische Auslegung:

  • 11 kW: 3× C16, 5×2,5 mm²
  • 22 kW: 3× C32, 5×6 mm²

Anmeldung:

  • Alle Ladepunkte: Anmeldung
  • 11 kW: Genehmigung

Häufig gestellte Fragen

Elektrofahrzeuge können bei bestimmten Fehlern Gleichfehlerströme erzeugen. Ein RCD Typ A erkennt nur Wechselfehlerströme und wäre bei einem DC-Fehler unwirksam. Daher fordert die VDE 0100-722 einen allstromsensitiven RCD Typ B oder einen RCD Typ A in Kombination mit einem DC-Sensor (≥ 6 mA), der in vielen Wallboxen bereits integriert ist.

Ja, alle Ladepunkte müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden. Ladepunkte bis 11 kW sind nur anmeldepflichtig (formlos), ab 12 kW ist eine Genehmigung erforderlich. Der Netzbetreiber prüft, ob das Netz die zusätzliche Last verkraftet und kann ggf. eine Laststeuerung fordern.

Nein, eine Wallbox benötigt einen fest installierten Anschluss mit entsprechender Absicherung. Das Laden über eine normale Schuko-Steckdose (Mode 1/2) ist nur temporär und mit reduzierter Leistung möglich. Eine Schuko-Steckdose ist für Dauerbelastung mit hohen Strömen nicht ausgelegt und kann überhitzen. Für dauerhaftes Laden ist eine Wallbox nach VDE 0100-722 erforderlich.

VDE 0100-722WallboxElektromobilitätRCD Typ BLadestationE-Auto

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