Kurzschlussstromberechnung nach Norm – Methoden, Impedanzen und Abschaltbedingungen.
14 Min. LesezeitAktualisiert: 04.02.2026
Formelübersicht
Dreipoliger KurzschlussI_k3 = c × U_n / (√3 × Z_k)
Kurzschlussstrom symmetrisch
c=Spannungsfaktor (1,0 oder 1,1)U_n=Nennspannung (V)Z_k=Kurzschlussimpedanz (Ω)
Einführung
Die Berechnung von Kurzschlussströmen ist fundamental für die Auslegung von Schutzeinrichtungen und die Sicherheit elektrischer Anlagen. Die DIN VDE 0102 (entspricht IEC 60909) beschreibt die Berechnungsmethoden.
Es gibt verschiedene Kurzschlussarten, die unterschiedliche Ströme verursachen und verschiedene Berechnungen erfordern.
Kurzschlussarten
Übersicht
Kurzschlussart
Symbol
Vorkommen
Dreipolig
I_k3
Alle 3 Phasen
Zweipolig
I_k2
2 Phasen
Zweipolig mit Erdberührung
I_k2E
2 Phasen + Erde
Einpolig (Erdschluss)
I_k1
1 Phase + Erde/N
Stromverhältnisse
Typisch bei TN-System:
I_k3 = 100 % (Referenz)
I_k2 ≈ 87 % (= I_k3 × √3/2)
I_k1 ≈ ... % (abhängig von Z_0/Z_1)
In vielen Fällen: I_k1 < I_k3 (bei Z_0 > Z_1)
Aber auch möglich: I_k1 > I_k3 (bei kleinem Z_0)
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Bei einem Kurzschluss fließt der Strom vom Verteiler über den Außenleiter zur Fehlerstelle und über den Schutzleiter (oder Neutralleiter bei L-N) zurück. Beide Wege müssen addiert werden. Bei gleichen Querschnitten verdoppelt sich daher die Leitungsimpedanz. Bei PE ≠ L muss entsprechend gerechnet werden.
Die Messung der Schleifenimpedanz ist in der Praxis oft einfacher und genauer als die Rechnung, da alle Übergangswiderstände erfasst werden. Die Rechnung ist aber nötig für: Planung neuer Anlagen, Prüfung längerer Leitungen, und wenn Messung nicht möglich ist (z.B. noch keine Einspeisung).
I_k3 ist der dreipolige Kurzschluss (alle 3 Phasen zusammen) – meist der höchste Wert, relevant für die Bemessung von Schaltgeräten. I_k1 ist der einpolige Kurzschluss (L gegen PE/N) – relevant für die Abschaltbedingung, da LS und RCD diesen Fehler erkennen müssen. I_k1 ist oft kleiner als I_k3, kann aber bei niederohmiger Erdung auch größer sein.