Überblick
Wärmepumpen sind zentrale Komponenten der Energiewende und erfordern eine sorgfältige elektrische Planung. Mit typischen Anschlussleistungen von 3-12 kW für Ein- und Zweifamilienhäuser stellen sie hohe Anforderungen an Hausanschluss und Zuleitung. Diese Spezialseite führt Sie durch alle elektrischen Aspekte – von der Anschlussart über die Absicherung bis zur Integration von Wärmepumpen-Tarifen und SG-Ready-Schnittstellen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Anschlussleistung: 3-12 kW typisch, Netzabstimmung mit EVU erforderlich
- Drehstromanschluss: Bei > 4,6 kW üblicherweise 400V 3~ erforderlich
- Zuleitung: Querschnitt nach Leistung und Leitungslänge dimensionieren
- Wärmepumpentarif: Separater Zähler für vergünstigten Bezug
- SG-Ready: Smart-Grid-Ready für zeitgesteuertes Laden ermöglicht
Gesetzliche Grundlagen
Relevante Normen und Vorschriften
Technische Anschlussbedingungen
Regeln des örtlichen Netzbetreibers für den Anschluss von Verbrauchseinrichtungen.
Errichten von Niederspannungsanlagen
Allgemeine Anforderungen an elektrische Anlagen in Gebäuden.
Strombelastbarkeit von Kabeln
Bemessung der Zuleitung nach Belastbarkeit und Verlegeart.
Bundesverband Wärmepumpe
Standard für die Schnittstelle zur intelligenten Netzintegration von Wärmepumpen.
Wärmepumpe elektrisch anschließen
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Heizlastberechnung prüfen
Wärmepumpenleistung aus Heizlastberechnung übernehmen. Elektrische Anschlussleistung = thermische Leistung / COP.
Netzanmeldung durchführen
Anmeldung beim Netzbetreiber: Anschlussleistung, gewünschter Wärmepumpentarif, ggf. Netzausbau abstimmen.
Zählerschrank vorbereiten
Separaten Tarifzähler für Wärmepumpentarif vorsehen. Platz für SG-Ready-Schaltung (4 Relais) und ggf. Rundsteuerempfänger.
Zuleitung dimensionieren
Kabelquerschnitt nach Nennstrom und Leitungslänge berechnen. Spannungsfall < 3% bei Motorlast. Typisch 5×4 mm² bis 5×10 mm².
Absicherung auswählen
LS-Schalter Charakteristik C oder D (wegen Motoranlauf). Bemessungsstrom nach Herstellerangabe, typisch 20-32 A.
SG-Ready anschließen
Smart-Grid-Ready Schnittstelle (potentialfreie Kontakte) für Netzbetreiber-Sperrzeiten und PV-Überschuss-Nutzung verkabeln.
Formel-Sammlung
Wichtige Formeln für die Berechnung
Elektrische Anschlussleistung
P_el = P_th / COPP_el | Elektrische Aufnahmeleistung | [kW] |
P_th | Thermische Heizleistung | [kW] |
COP | Leistungszahl (typ. 3-5) | [-] |
Nennstrom Drehstrom
I_n = P / (√3 × U × cos φ)I_n | Nennstrom | [A] |
P | Wirkleistung | [W] |
U | Verkettete Spannung (400V) | [V] |
cos φ | Leistungsfaktor (typ. 0,9) | [-] |
Passende Rechner
Berechnungstools für dieses Thema
Lastberechnung nach VDE
Anschlussleistung DIN 18015
LastberechnungLeitungsquerschnitt-Rechner
Querschnitt nach VDE 0298
LeitungsberechnungSpannungsfall-Rechner
Max. 3% für Beleuchtung
LeitungsberechnungMotorstrom-Rechner
In berechnen nach P, U, η
MotorberechnungLeitungsschutzschalter-Auswahl
LS-Charakteristik B, C, D
SchutzberechnungPassende Ratgeber
Fachartikel zu diesem Thema
Referenz-Tabellen
Nachschlagewerke und Daten
Praxistipps
Expertenwissen und häufige Fehler
Wärmepumpentarif beantragen
Mit separatem Zähler können Sie vergünstigte Wärmepumpentarife nutzen (ca. 5-7 ct/kWh günstiger). Die Investition amortisiert sich meist in 2-3 Jahren.
Anlaufstrom berücksichtigen
Kompressor-Wärmepumpen haben hohe Anlaufströme (bis 8× Nennstrom). LS-Schalter Charakteristik C oder D wählen, um Fehlauslösungen zu vermeiden.
PV-Eigenverbrauch maximieren
Mit SG-Ready-Schnittstelle kann die Wärmepumpe bei PV-Überschuss stärker heizen. Dies erhöht den Eigenverbrauch und senkt die Stromkosten.
Hausanschluss unterschätzt
Prüfen Sie vor Installation, ob der vorhandene Hausanschluss die zusätzliche Last verkraftet. Bei älteren Gebäuden ist oft ein Upgrade auf 43 kVA nötig.
Checkliste Wärmepumpen-Elektroinstallation
Zum Abhaken und Ausdrucken
- Heizlast bekanntPflichtAus Heizlastberechnung übernommen
- Elektrische Leistung berechnetPflichtP_el = P_th / COP
- Netzanmeldung erfolgtPflichtBeim Netzbetreiber angemeldet
- Hausanschluss geprüftPflichtAusreichend für Zusatzlast
- Zählerplatz vorbereitetSeparater Tarifzähler vorgesehen
- Zuleitung dimensioniertPflichtQuerschnitt und Länge berechnet
- Absicherung gewähltPflichtLS-Charakteristik C oder D
- SG-Ready verkabeltPotentialfreie Kontakte angeschlossen
- InbetriebnahmeprotokollPflichtVom Installateur erstellt
Häufig gestellte Fragen
Antworten auf wichtige Fragen zu Wärmepumpe Elektroinstallation
Kleine Wärmepumpen bis 4,6 kW können einphasig laufen. Größere Anlagen (typisch ab 6 kW thermisch) benötigen einen Drehstromanschluss 400V 3~.
Ein vergünstigter Stromtarif für steuerbare Verbraucher. Der Netzbetreiber kann die WP in Spitzenzeiten abschalten (max. 2h). Dafür ist ein separater Zähler nötig.
Smart Grid Ready ist eine Schnittstelle mit 4 Betriebszuständen: Normal, EVU-Sperre, Empfehlung (z.B. PV-Überschuss), Zwang. Ermöglicht intelligente Netzintegration.
Nein, Wärmepumpen werden direkt am Netz betrieben. Die PV-Integration erfolgt über das Stromnetz – bei Eigenverbrauch wird weniger eingespeist/bezogen.