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Leitungsschutzschalter (LS) verstehen

Typen, Auslösekennlinien und richtige Dimensionierung von Leitungsschutzschaltern nach VDE.

9 Min. LesezeitAktualisiert: 04.02.2026

Formelübersicht

AbschaltbedingungI_a ≤ U₀ / Z_s

Abschaltstrom muss erreicht werden

I_a=Abschaltstrom in AU₀=Nennspannung (230 V)Z_s=Schleifenimpedanz in Ω

Einführung

Der Leitungsschutzschalter (LS, auch "Sicherungsautomat") ist das zentrale Schutzorgan in jeder Elektroinstallation. Er schützt Leitungen vor Überlastung und Kurzschluss, indem er bei zu hohem Strom automatisch abschaltet.

Im Gegensatz zu Schmelzsicherungen können LS-Schalter nach einer Auslösung einfach wieder eingeschaltet werden – vorausgesetzt, die Fehlerursache wurde behoben.

Aufbau und Funktion

Ein LS-Schalter enthält zwei Auslösemechanismen:

1. Thermisches Auslöseelement (Bimetall)

  • Schützt vor Überlastung
  • Langsame Auslösung bei dauerhaft erhöhtem Strom
  • Je höher die Überlastung, desto schneller die Auslösung

2. Elektromagnetisches Auslöseelement

  • Schützt vor Kurzschluss
  • Sofortige Auslösung bei sehr hohem Strom
  • Auslösezeit: wenige Millisekunden

Auslösekennlinien (Charakteristiken)

Die Kennlinie definiert, bei welchem Strom der elektromagnetische Schnellauslöser anspricht:

Vielfaches von Iₙ Auslösezeit 3x 5x 10x 20x B 3-5x C 5-10x D 10-20x
TypAuslösebereichAnwendung
B3-5 × I_nHausinstallation, ohmsche Lasten
C5-10 × I_nLeichte induktive Lasten, Motoren
D10-20 × I_nSchwere induktive Lasten, Transformatoren
K10-14 × I_nSpezial für Motoren
Z2-3 × I_nEmpfindliche Elektronik

Beispiel B16: Thermisch bei 1,13-1,45 × 16 A = 18-23 A (langsam) Elektromagnetisch bei 3-5 × 16 A = 48-80 A (sofort)

Gängige Bemessungsströme

I_nTypische AnwendungKabelquerschnitt
6 AEinzelne Leuchte1,5 mm²
10 ABeleuchtungskreise1,5 mm²
13 AEinzelsteckdose1,5-2,5 mm²
16 ASteckdosenkreise2,5 mm²
20 AHochlaststeckdose2,5-4 mm²
25 AE-Herd (einphasig)4 mm²
32 AE-Herd (Drehstrom)4-6 mm²
40 AUnterverteilung10 mm²
63 AHauptsicherung16 mm²

Selektivität

Bei gestaffelter Absicherung soll immer nur der LS-Schalter auslösen, der dem Fehler am nächsten ist. Dies erreicht man durch:

  1. Stromselektivität: Nennströme um mindestens Faktor 1,6 stufen
  2. Zeitselektivität: Selektive Automaten (S-Charakteristik)
  3. Energieselektivität: I²t-Koordination

Schritt-für-Schritt

  1. 1Leistungsbedarf des Verbrauchers ermitteln
  2. 2Betriebsstrom berechnen: I_B = P / (U × cos φ)
  3. 3Anlaufströme beachten (Motoren, Leuchtstofflampen)
  4. 4Passende Kennlinie wählen (B, C oder D)
  5. 5Nennstrom wählen: I_B ≤ I_n ≤ I_z (Kabelbelastbarkeit)
  6. 6Abschaltbedingung prüfen: I_a ≤ U₀/Z_s

Praktische Beispiele

1

LS für Steckdosenkreis

Aufgabe

Ein Steckdosenkreis mit 2,5 mm² Kabel soll abgesichert werden. Welcher LS?

Lösung

  1. 12,5 mm² NYM-J: I_z ≈ 24 A (Verlegeart B1)
  2. 2Steckdosen sind für 16 A ausgelegt
  3. 3Betriebsstrom: bis 16 A möglich
  4. 4Kennlinie: B (ohmsche Lasten an Steckdosen)
  5. 5Nennstrom: 16 A passt → 16 ≤ 24 ✓

Ein B16 Leitungsschutzschalter ist die richtige Wahl.

2

Abschaltbedingung prüfen

Aufgabe

Ein B16 LS hat eine gemessene Schleifenimpedanz von 1,2 Ω. Wird er im Fehlerfall sicher abschalten?

Lösung

  1. 1B16: Magnetische Auslösung bei 5 × 16 A = 80 A
  2. 2Verfügbarer Kurzschlussstrom: I_k = U₀/Z_s = 230/1,2 = 192 A
  3. 3Prüfung: I_k > I_a → 192 A > 80 A ✓
  4. 4Der Kurzschlussstrom reicht zur sicheren Auslösung
  5. 5Abschaltzeit: < 0,4 s für Endstromkreise nach VDE

Die Abschaltbedingung ist erfüllt. Der LS schaltet sicher ab.

3

Motor mit Anlaufstrom

Aufgabe

Ein Motor hat 2 kW Nennleistung und 6-fachen Anlaufstrom. Welcher LS?

Lösung

  1. 1Nennstrom: I_n = P / (U × cos φ) = 2000 / (230 × 0,85) = 10,2 A
  2. 2Anlaufstrom: I_a = 6 × 10,2 = 61 A
  3. 3B-Kennlinie löst bei 3-5 × I_n aus → zu empfindlich
  4. 4C-Kennlinie löst bei 5-10 × I_n aus → passt
  5. 5C13 oder C16 wählen (C16 bietet Reserve)

Ein C16 LS ist geeignet – er toleriert den Anlaufstrom.

Normative Grundlagen

DIN VDE 0100-430: Schutz bei Überstrom

DIN EN 60898-1: Leitungsschutzschalter für Hausinstallation

DIN VDE 0100-410: Abschaltbedingungen für Personenschutz

Die maximale Schleifenimpedanz für sichere Abschaltung:

  • B16: Z_s ≤ 2,88 Ω (0,4 s)
  • C16: Z_s ≤ 1,44 Ω (0,4 s)

Häufige Fehler vermeiden

  • ✗Überdimensionierung – größerer LS schützt die Leitung nicht mehr
  • ✗B-Charakteristik bei Motoren – löst beim Anlauf aus
  • ✗Abschaltbedingung nicht geprüft – LS löst im Fehlerfall nicht aus
  • ✗Alte NH-Sicherungen nicht auf LS-Schalter umgerüstet
  • ✗LS mit zu geringem Schaltvermögen für die Anlage

Zusammenfassung

Der Leitungsschutzschalter schützt vor Überlast und Kurzschluss:

Kennlinien:

  • B (3-5×) – Hausinstallation
  • C (5-10×) – Motoren, induktive Lasten
  • D (10-20×) – Schwere Anlaufströme

Dimensionierung:

  • I_B ≤ I_n ≤ I_z (Betriebsstrom ≤ Nennstrom ≤ Kabelbelastbarkeit)
  • Abschaltbedingung nach VDE prüfen

Standard: B16 für Steckdosen, B10 für Licht, C für Motoren.

Häufig gestellte Fragen

LS-Schalter können nach Auslösung wieder eingeschaltet werden und haben genauere Auslösekennlinien. Schmelzsicherungen sind einmalig und müssen nach Auslösung ersetzt werden. LS sind komfortabler und langfristig wirtschaftlicher, Schmelzsicherungen haben ein höheres Schaltvermögen für Hauptsicherungen.

Das Schaltvermögen gibt den maximalen Kurzschlussstrom an, den der LS sicher abschalten kann. In normalen Hausinstallationen reichen 6.000 A (6 kA). Bei Anlagen nah am Trafo oder in der Industrie können 10.000 A (10 kA) oder mehr erforderlich sein.

Nein! Wenn ein LS regelmäßig auslöst, liegt entweder eine Überlastung vor oder ein Fehler. Ein größerer LS würde die Leitung überlasten und Brandgefahr verursachen. Stattdessen: Last reduzieren, Stromkreis aufteilen, oder Leitung mit größerem Querschnitt verlegen.

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